APA - Austria Presse Agentur

Nitschs 6-Tage-Spiel: Tag zwei mit blutbespritztem Publikum

Mit intensiven Aktionen, viel Blut und leidenschaftlichen Akteuren und Akteurinnen, deren Kleidung sich im Laufe des Tages rot färben wird, ging die Zweitfassung des Sechs-Tage-Spiels an ihrem zweiten und vorerst letzten Tag im niederösterreichischen Prinzendorf los. Auch das Publikum ließ sich bei der ersten Schüttaktion des Tages mit Blut bespritzen und bewies die Anziehungskraft, die das Werk des im April verstorbenen Aktionskünstlers Hermann Nitsch auch posthum entfaltet.

Mit schönerem Wetter als noch bei Tag eins grüßte der Sonntag das internationale wie österreichische Publikum. Idyllisch wirkt denn auch der Innenhof von Nitschs Schloss, in dem Bänke, Tische und Speisen bereitstehen. Dass es sich hier nicht um einen gewöhnlichen Sonntagsausflug handelt, sondern um eine Aufführung von Hermann Nitschs Hauptwerk - daran erinnert hier zunächst nur ein von Blumen umringtes Kreuz auf rotgefärbtem Boden.

Spätestens auf Nitschs "Schüttboden" wird es dann aber ernst. Die Zutaten für diese Ausweidungsaktion: Ein totes Schwein, dessen Bauchraum bereits aufgeschlitzt und hohl ist, eine an ein Kreuz angebundene Frau, die darunterliegt, und eine Schar an Akteuren, die das Tier immer wieder mit Blut und Eingeweiden füllen. Eine Räucherprobe und der allgegenwärtige Geruch von Fleisch und Blut sowie die an- und abschwellenden, lärmähnlichen Töne des Orchesters vervollständigen das Erlebnis, war es doch Nitschs Ziel, sein Orgien-Mysterien-Theater mit allen Sinnen erfassbar zu machen.

Gewährte man den gedrängt stehenden Besuchern hier noch einen gewissen Abstand, wurden sie bei der darauffolgenden Schüttaktion mitten ins Geschehen versetzt. Akteure, die bereits bei den Bayreuther Festspielen in Nitschs Auftrag am Werk waren, verschütteten Blut auf horizontale und vertikale Leinwände. Kein Ärgernis, sondern einzigartiges Erinnerungsstück sei die am Ende blutbespritzte Kleidung, lautete der Tenor unter den Zusehern. Brachte die Premiere des Sechs-Tage-Spiels vor 24 Jahren noch umfangreiche Kritik, äußerte heuer lediglich die FPÖ Niederösterreich im Vorfeld angesichts der "Lebensmittelverschwendung" Unmut.

Es soll heute nicht die einzige Mal- und Ausweidungsaktion in Nitschs in die niederösterreichische Feld- und Windrad-bespickte Dorfromantik eingebettetem Schloss bleiben. In der Nacht führt dann eine Prozession mit Fackeln zu Nitschs Weinkeller. Sich küssen und umarmen heißt es für die Spielteilnehmer schließlich bei Sonnenaufgang am Montag, bevor sie das Schloss verlassen.