APA - Austria Presse Agentur

Österreichisches Kino mit Preischancen in Locarno

Bei einer Gala unterm Sternenzelt werden zum Abschluss des 75. Internationalen Filmfestivals Locarno Samstagabend der Hauptpreis "Goldener Leopard" und andere Auszeichnungen vergeben. Dabei können sich auch zwei österreichische Produktionen Chancen ausreichen: Nikolaus Geyrhalters Müllessay "Matter out of Place" und Ruth Maders Glaubensdrama "Serviam" sind mit im Rennen.

Geyrhalter schildert in seiner gewohnt ruhigen, bildgewaltigen Dokumentararbeit wie unser Planet langsam mit dem Müllbergen des Menschen verwächst. Mader indes erzählt mit Maria Dragus in der Hauptrolle vom Druck in einer Klosterschule und der daraus entstehenden Gewalt.

Insgesamt liefen 17 Filme aus aller Welt im internationalen Wettbewerb. Von diesen werden die Sozialstudie "Die Deklaration" des indischen Regisseurs Mahesh Narayanan, das Weltuntergangspoem "Predigt an die Fische" von Regisseur Hilal Baydarov aus Aserbaidschan und das Jugenddrama "Ich habe elektrische Träume" von der Regisseurin Valentina Maurel aus Costa Rica hochgehandelt. Auch die beiden deutschen Produktionen "Human Flowers of Flesh" von Regisseurin Helena Wittmann und "Piaffe" von Regisseurin Ann Oren trafen vor Ort auf Zustimmung.

Trotzdem sind auch Überraschungen möglich - Festivaljurys entscheiden gern entgegen aller Erwartungen. Das gilt in Locarno auch für den durch Abstimmung der Zuschauer ermittelten Publikumspreis. Die begehrte Auszeichnung geht an einen der außerhalb des internationalen Wettbewerbs in den beliebten Freiluftaufführungen unterm Sternenzelt vor etwa 8.000 Menschen gezeigten Filme. Als ein Favorit gilt hier das Anti-Terrorismus-Drama "Meinen Hass bekommt ihr nicht" des deutschen Regisseurs Kilian Riedhof, der sich vom gleichnamigen Buch des Franzosen Antoine Leiris anregen ließ, dessen Ehefrau bei den Bataclan-Anschlägen zu Tode kam.

Traditionsgemäß standen in Locarno auch in diesem Jahr insbesondere Arbeiten junger Filmemacherinnen und Filmemacher im Fokus. Das Festival hat seinen Status als international wichtigste Tribüne des Kinonachwuchses eindrucksvoll bekräftigt. Für Glamour sorgten Stippvisiten von Schauspielstars wie Sophie Marceau und Matt Dillon. Auch Juliette Binoche kam mit ihrem neuen Film ("Paradise Highway") und schwärmte: "Hier kommen immer wieder Diamanten auf die Leinwand."

226 Kurz-, Dokumentar-, Spiel- und Experimentalfilme wurden auf dem Festival in verschiedenen Sektionen gezeigt. Das zehntägige Kino-Fest in Locarno gilt neben Berlin, Cannes und Venedig als bedeutendstes europäisches Filmfestival. Der Zuspruch der Zuschauer hat den guten Ruf zur Jubiläumsausgabe bestätigt: Tausende Filmfans aus aller Welt haben hier seit dem 3. August am Schweizer Ufer des Lago Maggiore mit einem regelrechten Sturm auf die Filmvorführungen das Kino als einzigartige Möglichkeit eines gemeinsamen Kunstgenusses gefeiert.