APA - Austria Presse Agentur

Ohne Klimaschutz drohen Österreich viel mehr Hitzetage

Die Klimakonferenz COP28 in Dubai hat nach zähen Verhandlungen erstmals im Abschlussdokument einen Kompromiss geschafft und die Abkehr von den fossilen Energiequellen Kohle, Öl und Gas zumindest erwähnt. Diese wichtige Maßnahme, um Emissionen zu senken und den globalen Temperaturanstieg zu begrenzen, war von Wissenschaft und Aktivisten dringend gefordert worden. Was ein Scheitern des Klimaschutzes für Österreich bedeuten würde, zeigen Modellrechnungen des Climamap-Projekts.

Demnach würde die Zahl der gesundheitlich belastenden Hitzetage deutlich steigen - vor allem im Osten und Süden. Die von der APA ausgewerteten Prognosedaten zeigen: Die Zahl der "Hitzetage" mit Temperaturen über 30 Grad wird in den nächsten Jahrzehnten in weiten Teilen Österreichs stark steigen. Demnach hat eine heute etwa 20-Jährige im Bezirk Neusiedl am See bisher durchschnittlich etwa 16 bis 20 Hitzetage pro Jahr erlebt. Bis zu ihrem 70. Geburtstag könnte diese Zahl auf knapp 28 ansteigen. Diese vergleichsweise günstige Rechnung geht davon aus, dass die Erderwärmung bis dahin auf zwei Grad Celsius begrenzt werden kann. Steigt die weltweite Temperatur dagegen um drei Grad Celsius, dann könnte das für den burgenländischen Bezirk bis zu 44 Hitzetage pro Jahr bedeuten.

Gesundheitlich bedeutet die Zunahme der Hitzetage eine teils starke Belastung, wie die Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) erklärt: Hohe Temperaturen - vor allem auch gemeinsam mit hoher Luftfeuchtigkeit - können für Ältere, Kinder und Menschen mit Vorerkrankungen lebensgefährlich werden. Die AGES führt auch ein Hitze-Mortalitätsmonitoring, das die Übersterblichkeit in den heißen Monaten schätzt. 2022 waren es demnach 231 Hitzetote, im Jahr 2018 bereits 550. Die Zahlen für heuer sind noch ausständig, sie sollen bald veröffentlicht werden.

Für die Auswertung hat die APA die Ergebnisse von 14 Klimaprognose-Modellen auf die österreichischen Bezirke umgerechnet. Berücksichtigt wurden dabei ausschließlich tatsächlich besiedelte Regionen. Damit soll vermieden werden, dass die deutlich niedrigeren Temperaturen im nicht bewohnten Gebiet (etwa Berge oder Wälder) die Auswertung verzerren.

Was dabei auffällt: im günstigeren Fall (also einer Erderwärmung um zwei Grad) steigt die Zahl der Hitzetage bis in die 2070er-Jahre je nach Bezirk um zwei bis zehn pro Jahr. Steigt die Erderwärmung aber um drei Grad Celsius, dann legt die Zahl der jährlichen Hitzetage um acht bis 24 zu. Der stärkste Anstieg wird für Innsbruck erwartet, in Villach, Klagenfurt, Neusiedl, Rust und in der Südoststeiermark könnte es mehr als 20 zusätzliche Hitzetage geben.

Am wenigsten betroffen wäre etwa das Waldviertel, hier vor allem der Bezirk Zwettl mit einem Anstieg um zweieinhalb Hitzetage im günstigeren, und einem Plus von etwas über acht Hitzetagen im ungünstigeren Szenario. Neben den Hitzetagen steigt auch die Anzahl der Tropennächte. Von denen gibt es beispielsweise in Wien momentan durchschnittlich drei pro Jahr, in 50 Jahren könnte sich das auf bis zu 22 vervielfachen. Interessant sind dabei auch die Unterschiede zwischen einer Erwärmung von zwei oder drei Grad. Beim ersteren Szenario steigt die Anzahl der Tropennächte bis 2100 auf etwa neun, bei zweiterem sind es sogar bis zu 36.

Zu beachten ist allerdings: Bei der Anzahl der Hitzetage handelt es sich um Durchschnittswerte für das besiedelte Gebiet in jedem Bezirk. Einzelne Regionen - insbesondere die Stadtzentren - können schon jetzt deutlich häufiger von Hitzetagen und Tropennächten betroffen sein, als es die Auswertung erwarten lässt. In höher gelegenen Ortschaften oder Wohngegenden am Stadtrand kann die Hitzebelastung dagegen deutlich geringer ausfallen.

Außerdem gilt, dass weit in die Zukunft gerichtete Prognosedaten insgesamt mit Vorsicht zu bewerten sind. So weist etwa der Klimaexperte des Wegener Centers der Uni Graz, Heimo Truhetz, darauf, dass es sich lediglich um mögliche Szenarien handle. Diese brächten eine Annäherung an die Realität, aber keine 100-prozentige Sicherheit. Außerdem haben die 2016 bis 2018 erstellten Modelle bereits einige Jahre am Buckel. Neue Modellrechnungen sollen 2026 veröffentlicht werden.