APA - Austria Presse Agentur

Online-Plattformen üben Druck auf heimische Hoteliers aus

Für die heimischen Hoteliers sind die Buchungsplattformen Booking.com & Co Fluch und Segen zugleich. Zum einen sorgen diese für mehr Auslastung, zum anderen nützen sie ihre Marktmacht aber auch immer wieder aus und versuchen, die Betriebe zu gleichen Preisen wie auf der Plattform zu zwingen. Diese Ratenparität ist gesetzlich verboten. Die Hoteliervereinigung will nun rechtliche Schritte setzen.

"Wir werden das nicht durchgehen lassen, wir prüfen das bereits", sagte die Präsidentin der Österreichischen Hoteliervereinigung (ÖHV), Michaela Reitterer, am Montag auf dem Jahreskongress der Hoteliers in Bregenz. Denn die Hoteliers dürfen ihre Zimmer auf der eigenen Homepage auch billiger verkaufen als die großen Online-Plattformen, mit denen sie Verträge haben, oder eben teurer. "Die Nichteinhaltung des Verbots der Ratenparität muss Konsequenzen haben, wir haben in Österreich ein Gesetz", so Reitterer.

Die ÖHV-Chefin rät den Beherbergungsbetrieben, den Fokus verstärkt auf Direktbuchungen zu richten. "Die Hoteliers können sich wehren, indem sie ihre Energie und ihr Geld in die eigene Marke und den eigenen Vertrieb stecken." Daneben sollen sie der ÖHV Unterlagen schicken, die illegale Praktiken der Online-Portale erkennen lassen. "Wir müssen das vor Gericht dokumentieren", erklärte ÖHV-Sprecher Martin Stanits.

Einer Umfrage unter österreichischen, deutschen, Schweizer und Südtiroler Urlaubern zufolge, buchte im Schnitt gut ein Fünftel (rund 21 Prozent) ihren vergangenen Österreich-Urlaub über sogenannte OTA (Online Travel Agencies), also Online-Reisebüros, knapp 69 Prozent buchten direkt beim Hotel und 4,9 Prozent über ein Reisebüro. Die ÖHV befragte dazu im November/Dezember über 2.800 Gäste. In der Stadthotellerie sei der Anteil der Buchungen über Anbieter wie Booking.com wesentlich höher als im landesweiten Schnitt und erreiche zum Teil auch 80 Prozent.

In der Zusammenarbeit mit den Online-Portalen kritisieren die Hoteliers vor allem die Höhe der Provisionen, die dabei fällig werden. Einer ÖHV-Mitgliederbefragung zufolge - die Vereinigung vertritt die Vier- und Fünf-Sterne-Hotels - beurteilen 57 Prozent der Befragten die Provision als hoch und nur 10,6 Prozent als fair. Die Standardkonditionen der OTA halten 37,6 Prozent sogar regelrecht für unfair und nur 17 Prozent für fair. "40 Prozent der Hoteliers sagen, OTAs halten das Verbot der Preisparität nicht ein, obwohl sie gesetzlich müssten", betonte Reitterer.

"Es gibt aber auch ein gedeihliches Nebeneinander - für viele Hoteliers ist die Zusammenarbeit mit den Portalen überlebenswichtig", räumte die ÖHV-Präsidentin ein. "Je mehr du eine Marke bist, desto leichter ist es für dich als Hotelier die Zimmer direkt zu verkaufen - wenn du keine Geschichte zu erzählen hast, dann ist es besser über OTA", so Reitterer. "Letztlich ist das eine unternehmerische Entscheidung." Ein diverser Vertrieb über mehrere Kanäle sei gut. "Es gibt nichts Verderblicheres als eine Hotelnacht." Ein Zimmer muss möglichst täglich verkauft werden.

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