Papst-Attentäter Ali Agca will in Italien befragt werden

Mehmet Ali Agca will laut eigenen Angaben sein Gewissen erleichtern
Der Attentäter von Johannes Paul II., der Türke Mehmet Ali Agca, will von der parlamentarischen Untersuchungskommission in Rom befragt werden, die über das rätselhafte Verschwinden der Vatikan-Bürgerin Emanuela Orlandi im Jahr 1983 ermittelt.

 "Ich kenne die Wahrheit, ich werde bald sterben, denn ich leide an einen Tumor, und ich möchte mein Gewissen entlasten", sagte der 66-Jährige im Interview mit der römischen Tageszeitung "La Repubblica" (Dienstagsausgabe). "Ich weiß, wie es im Fall von Emanuela Orlandi gelaufen ist. Ich habe Krebs und nur noch wenig Zeit zu leben. Aber bevor ich sterbe, möchte ich alles erzählen, was ich weiß", so Agca, der als freier Bürger in der Türkei lebt. Er ist mit einer Italienerin verheiratet.

Entführung von Emanuela Orlandi

Agca behauptet seit langem zu wissen, was mit der Vatikan-Bürgerin geschah, die vor mehr als 40 Jahren, im Juni 1983, im Alter von nur 15 Jahren verschwand. Seiner Darstellung nach war die Entführung von Emanuela Orlandi eine Reaktion auf das Attentat, das er auf Papst Johannes Paul II. verübt hatte.

"Ich möchte die ganze Wahrheit ans Licht bringen. Ich habe unbestreitbare Beweise. Orlandi wurde entführt, um meine Freilassung zu erwirken, es gibt keine anderen Motive", betonte der Türke.

"Ich weiß, dass ich in Italien als auch in der Türkei als umstrittene Person gelte. Aber ich lebe in den letzten Jahren meines Lebens und möchte mein Gewissen von diesem schweren Geheimnis befreien. Die Kommission in Rom ist die einzige und letzte Chance, die Wahrheit siegen zu lassen", so Agca.

Attentat auf Johannes Paul II. vom 13. Mai 1981 

Schon seit Jahren kursieren Spekulation wonach Orlandi mit dem Ziel entführt worden sei, den damals wegen eines Attentats auf Johannes Paul II. inhaftierten Agca freizupressen. Der Türke hatte am 13. Mai 1981 auf dem Petersplatz mit einer Pistole auf Johannes Paul II. (1978-2005) geschossen und ihn lebensgefährlich verletzt. Zu den Hintergründen der Tat machte er unzählige widersprüchliche und teils abenteuerliche Angaben. Eine weithin akzeptierte These lautet, dass der Anschlag auf den polnischen Papst von der Sowjetregierung in Kooperation mit dem bulgarischen Geheimdienst angezettelt wurde. Seit 2010 befindet er sich auf freiem Fuß.

Das italienische Parlament hat Ende 2023 die Einrichtung eines Untersuchungsausschusses für Orlandis Entführungsfall beschlossen. Er soll nun versuchen, Fakten über den Verbleib der im Sommer 1983 in Rom verschwundenen, damals 15-jährigen, Schülerin herauszufinden. Der Fall Orlandi, Tochter eines Vatikan-Angestellten, hatte in Italien und im Vatikan seit 40 Jahren zu immer neuen Spekulationen und Nachforschungen geführt. Die italienische Staatsanwaltschaft ermittelte mehrere Male ergebnislos und stellte das Verfahren zuletzt 2015 ein.

2023 nahm der neue Vatikan-Staatsanwalt Alessandro Diddi im Auftrag von Papst Franziskus neuerliche Ermittlungen auf und kündigte seine Kooperationsbereitschaft mit der italienischen Justiz an. Auch diese begann daraufhin erneut zu ermitteln.

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