APA - Austria Presse Agentur

Paul Duncan öffnet wieder das "Star Wars Archiv" bei Taschen

"Es war einmal vor langer Zeit in einer weit, weit entfernten Galaxis...": Die einleitenden Worte der Science-Fiction-Saga "Star Wars" kann jeder Fan wohl im Schlaf herunterbeten. Wer aber mit umfangreichen Detailwissen punkten will, für den ist Paul Duncan die richtige Anlaufstelle. Der Filmhistoriker hat sich für den Taschen Verlag die Auftakttrilogie des Kinoerfolgs vorgenommen und damit den zweiten Band seines "Star Wars Archiv" bestückt.

Erschien vor zwei Jahren die deutsche Übersetzung der ersten Archivausgabe, die die Jahre 1977 bis 1983 und damit die Originaltrilogie umfasste, geht es nun um die Filme "Die dunkle Bedrohung" (Episode I, 1999), "Angriff der Klonkrieger" (Episode II, 2002) und "Die Rache der Sith" (Episode III, 2005). Zudem hat sich Duncan mit der digitalen Restaurierung der Episoden IV bis VI befasst - der Abschnitt zu diesen "Special Editions" bildet sozusagen den Auftakt des 600 Seiten starken und beinahe sieben Kilo schweren Bandes.

Nun weiß der geneigte "Star Wars"-Anhänger: Die von George Lucas um die Jahrtausendwende in die Kinos gebrachten Filme haben nicht gerade den besten Ruf. Wer das Stichwort Jar Jar Binks in entsprechender Runde fallen lässt, erntet zumindest böse Blicke. Zu sehr habe er die Vorgeschichte des Skywalker-Clans an eine kindliche Zielgruppe ausrichten wollen, lautet ein vielfach geäußerter Vorwurf an Lucas. Doch geht es Duncan nicht darum, den diskussionswürdigen Platz der drei Filme innerhalb der größeren "Star Wars"-Erzählung zu erläutern - er liefert stattdessen einen tief gehenden Einblick in deren Entstehung.

Das hat schließlich beim ersten Archiv schon hervorragend funktioniert, und es klappt auch diesmal: Mit einem Vorwort von Lucas versehen, geht Duncan seinen strukturellen Weg konsequent fort und gestaltet das Eintauchen in die Welt von Jedi-Ritter, Klonkrieger und Co als überlanges Interview mit den Machern. Da gibt es natürlich viel zu entdecken, wird Offensichtliches ebenso angeschnitten wie überraschende oder amüsante Details. Vor allem aber ist die handwerkliche Komponente nicht zu unterschätzen, wenn technische Aspekte der Filme en détail vor Augen geführt werden.

In erster Linie aber ist das "Star Wars Archiv" ein optischer Genuss: Unabhängig davon, wie man zu den Episoden I bis III stehen mag, die Zeichnungen, Entwürfe, Storyboards, aufwendigen Gemälde und Setbilder sind ziemlich eindrucksvoll. Keine noch so kurz auftauchende Figur, keine der vielen Welten und Locations wird dabei ausgespart. Das Großformat des Bandes (41 x 30 cm) bringt dabei besonders über beide Seiten gestreckte Illustrationen gut zur Geltung. Als Bonus gibt es Drehbuchseiten mit Anmerkungen, Dreh- und Aufbaupläne zu einzelnen Modellen und Karten zentraler Szenen.

Es ist sicherlich nicht das kleine, handliche Kompendium, das man neben dem Bett im Nachtkästchen jederzeit griffbereit liegen hat. Stattdessen dient das "Star Wars Archiv" von Paul Duncan als schier unerschöpfliches Nachschlagwerk zum cineastischen Kosmos von George Lucas, der ganz auf diese großen Werke der Popkultur fokussiert und weitere Erzählstränge, die in Comics, Serien oder sonstigen Medien aufgegriffen wurden, ausspart. Für Hardcorefans gibt es daran wohl keinen Weg vorbei.

(S E R V I C E - Paul Duncan: "Das Star Wars Archiv: 1999 - 2005", Taschen Verlag, 600 Seiten, 150 Euro, www.taschen.com)