APA - Austria Presse Agentur

Platter fordert von Swarovski-Konzern "Ende von Gerüchten"

Nach dem angekündigten massiven Stellenabbau beim Tiroler Kristallkonzern Swarovski ist eine Debatte um die Zukunft des Hauptstandortes Wattens entbrannt. Landeshauptmann Günther Platter forderte am Mittwoch das Unternehmen auf, den "zahlreichen Gerüchten endlich ein Ende zu setzen", wie er auf APA-Anfrage erklärte.

Platter erinnerte daran, dass der Konzern in den vergangenen Wochen wiederholt auch öffentlich bekräftigt habe, "am Standort Wattens als Hauptsitz festhalten" zu wollen. Dennoch herrsche in der Belegschaft große Verunsicherung. "Die Öffentlichkeit, das Land Tirol und allen voran die engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Traditionsunternehmens haben sich Klarheit verdient, wie es weitergeht", machte der Landeshauptmann deutlich. "Kaum ein Unternehmen ist derart stark mit Tirol verbunden wie Swarovski", so Platter.

Betriebsrat und Belegschaft befürchten eine massive Abwertung des Standorts Wattens und eine Abwanderung des gesamten Managements in die Schweiz. In Männedorf am Zürichsee hat Konzernchef Robert Buchbauer seinen Firmensitz. In einem Brief an die Unternehmerfamilie melden sich nun 14 führende Betriebsräte mit einem eindringlichen Appell zu Wort, wie die "Tiroler Tageszeitung" in ihrer Mittwochsausgabe berichtete. Man könne "nicht länger mitansehen, was gerade passiert", hieß es darin etwa. Die vorgestellte neue Konzernstrategie sei nicht überzeugend. Die Mitarbeiter hätten zuletzt leider immer weniger Wertschätzung erfahren und große Sorgen um den Fortbestand des Unternehmens, so die Betriebsräte: "Die Arbeitskraft Mensch wird auf austauschbare Individuen reduziert, persönliche Erfahrung und Wissen werden nicht mehr geschätzt".

Eindringlich wurde zudem appelliert, den Standort Wattens nicht aufzugeben. "Diese Befürchtung gibt es, da die Entscheidungsträger derzeit selbst in der Schweiz sind. Vieles ist bereits dorthin abgewandert, weshalb wir denken, dass der Rest folgen wird und dass Wattens ein Kahlschlag droht", so Zentralbetriebsrats-Vorsitzende Selina Stärz laut ORF Tirol in dem Schreiben. Für Freitag ist offenbar eine Gesellschafterversammlung anberaumt. An dem Tag soll in Wattens auch eine Mahnwache gegen die Abbau-Pläne stattfinden.

Der Kristallkonzern hatte im Juli angekündigt, im Herbst in Wattens von den derzeit noch bestehenden 4.600 Stellen weitere 1.000 abzubauen. Mittelfristig würden am Hauptsitz rund 3.000 Menschen beschäftigt sein. Denn bis 2022 soll sich der Mitarbeiterstand noch einmal um 600 Stellen verringern. Mit dem massiven Personalabbau war in den vergangenen Wochen und Monaten gerechnet worden. Bereits Ende Juni hatte Swarovski bekanntgegeben, rund 200 Arbeitsplätze in den Bereichen Marketing und Vertrieb zu streichen. Die betroffenen Mitarbeiter sollen per E-Mail von ihrer Kündigung informiert worden sein. Diese Vorgangsweise sowie die Kündigungen an sich führten zu massiver Kritik der Tiroler Oppositionsparteien, sowie von Gewerkschaft und Arbeiterkammer.

Kritik an der Vorgangsweise der Geschäftsführung rund um CEO Robert Buchbauer übte zuletzt auch ein Mitglied der Familie Swarovski. Die Familie sei "bestürzt über kolportierte Pläne für unseren Stammsitz", meinte Paul Swarovski, Vater von Victoria und Paulina Swarovski, gegenüber der APA. Auch er sprach von einer "allfälligen Verlagerung des Standortes Wattens", was von der Unternehmensspitze aber dementiert wurde.