APA - Austria Presse Agentur

Polizei ermittelt nach großem Ordensdiebstahl in Serbien

In Serbien ist ein spektakulärer Diebstahl aus einem Regierungsgebäude in Belgrad publik geworden. Dort sind vor 14 Jahren 43.000 ex-jugoslawische und serbische Orden im Wert von rund 426.000 Euro entwendet worden, berichteten Medien am Samstag. Acht Personen wurden festgenommen, nach zwei weiteren wird gefahndet. Hauptverdächtiger sei der frühere Justiz-Staatssekretär Slobodan Homen, ein einstiger Mitarbeiter des pro-westlichen früheren Staatspräsidenten Boris Tadić.

Der Rechtsanwalt Homen ist in Serbien als Ordenssammler bekannt. Zum Zeitpunkt des Diebstahls im Jahr 2010 war er Staatssekretär, zwei Jahre später kam die Serbische Fortschrittspartei (SNS) von Präsident Aleksandar Vućić an die Macht. Homen saß dann noch bis 2014 für die Sozialdemokratische Partei von Ex-Präsident Tadić im Parlament.

Den Medienberichten zufolge wird nach Homen gefahndet. Er selbst sagte gegenüber der Tageszeitung "Nin" (Onlineausgabe), dass er von den Vorwürfen aus der Zeitung erfahren habe. "Genauso, wie ich erfahren habe, dass ich auf der Flucht bin", richtete der Ex-Staatssekretär "den Autoren dieses Film-Drehbuchs" aus. Er bestritt die Vorwürfe und bezeichnete es als "unmöglich", eine so große Anzahl an Orden aus einem Regierungsgebäude zu bringen. Zugleich frage er sich, warum Justiz und Polizei sich der Angelegenheit erst nach 15 Jahren annehmen. In all dieser Zeit sei er selbst nie befragt worden, so Homen, der die Vermutung eines politischen Ablenkungsmanövers äußerte.

Unklar ist, warum der Fall erst jetzt publik geworden ist. Die Polizei ermittle zu den Hintergründen der Tat. Den Ermittlern zufolge wurden damals versiegelte Kisten mit den Orden aus dem Gebäude gestohlen. Einige Tage später seien die Kisten zurückgebracht worden, wobei die beschädigten Versiegelung auf eine Öffnung hindeuteten. Ob der Inhalt der Kisten damals überprüft wurde, ist unklar. Einige der Orden stammten noch aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges.