Prozess gegen junge Wiener Schutzgeld-Erpresser ab 17. Mai

Mehrere Wochen wird gegen die Jugendbande im Grauen Haus verhandelt
Am 17. Mai beginnt am Wiener Landesgericht der Prozess gegen eine jugendliche Schutzgeld-Erpresser-Bande, die im September 2023 drei Brandanschläge auf einen Handy-Shop in Meidling verübt haben soll, um vom Betreiber Geld einzutreiben. Das gab Gerichtssprecherin Christina Salzborn auf APA-Anfrage bekannt. Es sind vorerst acht Verhandlungstage anberaumt, Urteile wird es frühestens am 27. Juni geben.

Der schlagzeilenträchtige Fall hatte zu einer Debatte über die Jugendkriminalität und Auswüchse von schwerer Gewalt bei Jugendlichen geführt. In weiterer Folge setzte nach Bekanntwerden des angeblich monatelangen Missbrauchs einer Zwölfjährigen durch eine Gruppe junger, teilweise noch strafunmündiger Burschen in Favoriten eine Diskussion um die Senkung der Strafmündigkeitsgrenze ein, die hierzulande derzeit - wie im Großteil der EU - bei 14 liegt. Die Statistik der Wiener Polizei zeigt, dass im Vorjahr um 7,2 Prozent mehr Buben im Alter zwischen zehn und 14 angezeigt worden sind, die aufgrund ihres kindlichen Alters gerichtlich nicht belangt werden konnten. Insgesamt waren es 2.196 gegenüber 2.048 im Jahr zuvor. Spannend ist in dem Zusammenhang die Entwicklung bei den noch strafunmündigen Mädchen: wurden 2022 767 Zehn- bis 14-Jährige angezeigt, waren es im Vorjahr 990. Das entspricht einer Zunahme um 29,1 Prozent.

Eine ähnliche Entwicklung ist auch bei den Unter-Zehnjährigen festzustellen, wo die Zunahme bei den Buben ein Plus von 0,5 Prozent (in absoluten Zahlen: 194 Angezeigte gegenüber 193 im Jahr 2022), bei den Mädchen dagegen 15,2 Prozent (53 Angezeigte gegenüber 46 im Jahr 2022) aufweist. Bei den Jugendlichen im Alter von 14 bis 18 sind die Anzeigen im Vorjahr insgesamt um 8,9 Prozent zurückgegangen. Bei den Burschen machte das Minus sogar 12,6 Prozent aus, während es bei den Mädchen ein Plus von 3,8 Prozent gab. Bei den sogenannten jungen Erwachsenen - Personen im Alter zwischen 18 und 21- gab es insgesamt einen kräftigen Zuwachs von 6.500 Angezeigten auf 9.090 im Jahr 2023, was einem Plus von 39,8 Prozent entspricht. Für den Anstieg waren interessanterweise die jungen Frauen ausschlaggebend, denn bei den jungen Männern zwischen 18 und 21 gingen die Anzeigen von 2022 auf 2023 um 3,2 Prozent zurück. Bei den 18- bis 21-jährigen Frauen stiegen sie dagegen um 249,2 Prozent.

In absoluten Zahlen liegen in sämtlichen Altersgruppen aber nach wie vor die Männer um ein Vielfaches vor den Frauen, was die Anzeigen, aber auch die bei den Gerichten eingebrachten Anklagen betrifft. Was die Jugendbande betrifft, die mit Schutzgeld-Erpressungen operiert haben soll, umfasste diese ausschließlich Burschen im Alter zwischen 14 und 21 Jahren. Von den zehn Angeklagten befinden sich sechs in U-Haft. Als Hauptangeklagte gelten ein zum Tatzeitpunkt 16-Jähriger und ein junger Erwachsener. Vorgeworfen wird der Bande versuchte Brandstiftung, schwere Erpressung, versuchte absichtlich schwere Körperverletzung, kriminelle Vereinigung und verbrecherisches Komplott. Auch schwerer Raub ist inkriminiert, wobei Macheten und Messer als Tatwaffen verwendet wurden.

Der mutmaßliche Kopf der Bande - er ist mittlerweile 17 - soll in Tschechien verbotene Kugelbomben gekauft haben und mit diesen zusammen mit einem Komplizen im Kinderzimmer und später in den Räumlichkeiten einer Moschee hantiert haben. Aus ausgewerteten Chats geht hervor, dass die Bande auch zwei AK-47-Sturmgewehre besessen haben dürfte. Von der Polizei konnte allerdings nur ein funktionsfähiges Sturmgewehr sichergestellt werden.

Seit 8. September 2023 hatten die Angeklagten einen Handyshop-Besitzer in der Steinbauergasse terrorisiert, indem sie ihm zunächst einen Molotow-Cocktail ins Geschäft warfen. In weiterer Folge überfielen sie das Geschäft und operierten mit Böllern, um ihre finanzielle Forderung zu untermauern. Der Geschäftsmann sollte ihnen 25.000 Euro zahlen, um wieder seine Ruhe zu haben. Der Mann ging allerdings stattdessen zur Polizei.

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