Prozess gegen Schizophrenen nach Attacken auf drei Frauen

Zu verstörenden Szenen kam es im Dezember 2022 am Wiener Hauptbahnhof
Weil er am 1. Dezember 2022 in einem Zug und anschließend am Gelände des Wiener Hauptbahnhofes drei Frauen attackiert und zwei von ihnen verletzt hatte, ist ein 19 Jahre alter Mann am Montag vom Wiener Landesgericht in eine forensisch-therapeutische Einrichtung eingewiesen worden. Der junge Mann leidet an Schizophrenie und war im Tatzeitpunkt zurechnungsunfähig. Gerichtspsychiater Peter Hofmann bezeichnete ihn als "schwer gestört". Das Urteil ist rechtskräftig.

Der 19-Jährige befand sich in einem Zug von Bratislava nach Wien. Als dieser sein Ziel am Hauptbahnhof erreichte, ging er von hinten auf eine 18-Jährige los, versetzte dieser einen Stoß und riss ihr ihren Rucksack vom Rücken. "Dann habe ich zwei Watschen bekommen", schilderte die Schülerin einem Schöffensenat (Vorsitz: Katharina Lewy-Adegbite). Dessen ungeachtet kämpfte sie um ihr Eigentum: "Ich wollte den Rucksack zurück. Es waren meine Schulsachen und eine Geldtasche drinnen." Da habe sie der Mann am Hals gepackt: "Er hat versucht, mich zu erwürgen." Zwei andere Fahrgäste kamen der 18-Jährigen zu Hilfe, worauf der 19-Jährige den Zug verließ, der mittlerweile zum Stillstand gekommen war.

Am Bahnsteig verpasste er dann einer 29 Jahren alten Krankenschwester ohne ersichtlichen Grund Schläge auf den Kopf und in den Rücken, die infolge dessen zwei Wochen an starken Kopfschmerzen litt, wie sie dem Gericht erläuterte. Einige Meter weiter ging der Mann dann auf eine 44-Jährige los, die gerade einen Christbaum fotografierte, den die ÖBB aufgestellt hatten. Er verpasste der Frau derart wuchtige Faustschläge ins Gesicht, dass diese zu Boden stürzte. Sie erlitt einen Nasenbeinbruch und ein Hämatom am rechten Oberschenkel. Detail am Rande: als die 44-Jährige bei einer nahe gelegenen Polizeiinspektion Anzeige erstatten wollte und auf ihre blutende Nase verwies, wurde sie von den Beamten mit der Bemerkung, es sei "ja nicht viel passiert", nach Hause geschickt. "In Ungarn bin ich dann zum Arzt gegangen, der einen Nasenbeinbruch festgestellt hat", gab die Frau nun im Zeugenstand zu Protokoll.

Der 19-Jährige, der seit seiner Festnahme medikamentös gegen seine Schizophrenie behandelt wird, behauptete in seiner Einvernahme, alle drei Frauen hätten ihn fotografiert: "Ich wollte, dass sie damit aufhören. Ich habe nur geschlagen. Es tut mir leid." Auf die Frage, warum ihn wildfremde Frauen fotografieren sollten, erwiderte der junge Mann: "Ich kenne viele Leute, da ich im sexuellen Business tätig war."

Zu dieser Bemerkung lieferte der psychiatrische Sachverständige erhellende Angaben. Der 19-Jährige halte sich für einen "Star" im einschlägigen Dienstleistungsgewerbe, erläuterte Hofmann: "Er geht davon aus, dass er mit unzähligen Männern und Frauen verkehrt hat und deshalb die ganze Zeit auf der Straße wiedererkannt wird." Darin manifestiere sich seine Erkrankung. Es sei dringend die Unterbringung in einer forensisch-therapeutischen Einrichtung geboten, da ansonsten mit weiteren Gewaltdelikten gerechnet werden muss, legte Hofmann dar.

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