APA - Austria Presse Agentur

Prozess um spitalsreif geschlagenen Wiener Taxifahrer

Ein Taxifahrer ist am 9. August 2023 am helllichten Tag in Wien-Penzing aus nichtigem Anlass von einem Fahrgast spitalsreif geprügelt worden. "Mit seinem Kopf wurde Fußball gespielt", schilderte eine Augenzeugin am Freitag am Wiener Landesgericht die Gewalttat. Der Tatverdächtige ist untergetaucht, nachdem die Staatsanwaltschaft gegen den 26-Jährigen Anklage erhoben hatte. Sein damaliger Begleiter hatte sich nun als Beitragstäter vor einem Schöffensenat zu verantworten.

Der 24-Jährige wurde vom Vorwurf der absichtlichen schweren Körperverletzung freigesprochen, nachdem ein Straßenbahnfahrer sowie ein Fahrgast der Wiener Linien ihn im Zeugenstand entlastet hatten. Die beiden hatten die Attacke von einer Tram aus beobachtet. Im Unterschied zum Taxler sowie einer dritten Zeugin, die zuvor angegeben hatten, beide hätten zugeschlagen und zugetreten, schlossen die zwei männlichen Zeugen das kategorisch aus. Auch ein DNA-Gutachten sprach gegen eine Beteiligung des 24-Jährigen: auf der Bekleidung des Opfers wurden ausschließlich Spuren mit den genetischen Merkmalen des flüchtigen 26-Jährigen gefunden. Nach ihm lässt die Staatsanwaltschaft seit Mitte Dezember per Haftbefehl fahnden. Der Freispruch für den 24-Jährigen ist nicht rechtskräftig. Die Staatsanwältin gab vorerst keine Erklärung ab.

Der 26-Jährige und sein jüngerer Freund hatten sich am Nachmittag von einem Taxi in den 14. Bezirk bringen lassen. Schon während der Fahrt kam es zu Unstimmigkeiten, weil die beiden Männer mit der Route nicht einverstanden waren, die der Taxilenker wählte. Am bei Fahrtantritt angegebenen Ziel angelangt, wollte der eine Gast die Fahrt fortsetzen, was der Taxler ablehnte, weil er zwischenzeitlich anderweitig gebucht worden war.

Darauf hin sei er noch im Fahrzeug geschlagen worden, schilderte der Taxler dem Gericht. Als er ausstieg, habe er einen weiteren Faustschlag kassiert und sei zu Boden gestürzt, worauf er mit Fußtritten - hauptsächlich gegen den Kopf - bedacht worden sei. Im Spital, in das der verletzte Taxler von der Wiener Berufsrettung gebracht wurde, stellte man dann eine Schädelprellung, mehrere Rissquetschwunden im Kopfbereich sowie Abschürfungen und Hämatome fest. Außerdem waren dem Mann drei Zähne ausgeschlagen worden.

Der 24-Jährige betonte, er sei auf den Taxifahrer nicht losgegangen. Er habe sich vom Fahrzeug entfernt und erst im Weggehen mitbekommen, "dass es eine Auseinandersetzung gibt". Warum haben Sie dem Opfer nicht geholfen, das da zusammengetreten wurde?", wollte der Richter wissen. "Ich wollte mit der Polizei nichts zu tun haben", erwiderte der Angeklagte. Er sei zwei Mal vorbestraft und habe deshalb Schwierigkeiten mit der Exekutive befürchtet.