Rekord-Schadenersatz nach Budapester Schiffsunglück

Das gesunkene Ausflugsboot "Nixe" nach der Bergung im Juni 2019
In einem Prozess um Schadenersatz für die Angehörigen der südkoreanischen Touristen, die beim Untergang des Ausflugsdampfers "Habléany" ("Nixe") ums Leben kamen, ist in Budapest ein erstinstanzliches Urteil gefällt worden. Laut ungarischer Nachrichtenagentur MTI hat das Gericht Zahlungen in der Rekordhöhe von insgesamt 1,82 Milliarden Forint (4,64 Mio. Euro) zugesprochen. 78 Hinterbliebene hatten auf eine Gesamtsumme von 4,3 Milliarden Forint geklagt.

Vier Anträge wurden seitens des Gerichtes wegen zu entfernter Verwandtschaft abgelehnt. Die individuellen Summen seien zumeist auf der Grundlage des Verwandtschaftsgrads festgelegt worden, berichtete MTI Mittwochabend. Laut Urteil reichen die einzelnen Kompensationen von drei Millionen bis 80 Millionen Forint.

In der Pflicht stehen die beiden betroffenen Schifffahrtsgesellschaften, die Viking River Cruises AG als Eigentümer des das Unglück verursachenden Hotelschiffs "Viking Sigyn" sowie der Betreiber der "Nixe", die ungarische Panorama Deck GmbH. Letzterer wurde zur Last gelegt, dass die "Nixe" am Abend des Unglücks in einem für die Schifffahrt ungeeigneten Zustand ausgelaufen sei, da ein Matrose weniger an Bord gewesen war als vorgesehen. Beide Schifffahrtsgesellschaften bezeichneten das Ausmaß des Schadenersatzes als "übertrieben". Sie haben 15 Tage Zeit, Berufung einzulegen.

Das verheerende Bootsunglück ereignete sich am 29. Mai 2019, als der wesentlich größere Hotel-Cruiser "Viking Sigyn" bei einem Überholmanöver auf der Budapester Donau die "Nixe" rammte und ohne Hilfeleistung weiterfuhr. Das kleine Schiff sank innerhalb von Sekunden. Auf der "Nixe" hatten sich 35 Personen befunden, zwei Mitglieder der Crew und 33 Angehörige einer südkoreanischen Touristengruppe. Dabei wurde die Donau zum Grab für 28 Menschen, von denen eine Südkoreanerin noch immer als vermisst gilt.

Inzwischen wurde der ukrainische Kapitän der "Viking Sigyn" im September 2023 in erster Instanz zu fünf Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt. Dem Ukrainer waren fahrlässige Gefährdung des Schiffverkehrs und die Verursachung eines tödlichen Unfalls zur Last gelegt worden.

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