APA - Austria Presse Agentur

Corona-Infektion: Relativ gute Prognose bei Lungenschäden

Lungenschäden infolge einer Covid-19-Erkrankung bilden sich zu einem guten Teil zurück.

Die Regeneration des Lungengewebes erreicht aber nach sechs Monaten ein Plateau. Insgesamt sieht die Prognose für die Betroffenen relativ gut aus. Dies sagte am Dienstag die Innsbrucker Pneumologin Judith Löffler-Ragg bei einer Online-Pressekonferenz aus Anlass der Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie (ÖPG).

Die Tagung findet am kommenden Wochenende (29. September bis 1. Oktober) "nach" Pandemie-bedingter Pause erstmals wieder als Präsenzveranstaltung in Salzburg statt. Covid-19 bleibt jedenfalls ein Thema, wie bei der Pressekonferenz erklärt wurde. Es geht für die Lungenfachärzte jetzt zunehmend um Patienten, die längerfristig an den Folgen einer SARS-CoV-2-Infektion leiden. Sie treten laut Judith Löffler-Ragg offenbar unabhängig davon auf, wie schwer die Erkrankung selbst verlaufen ist. "Erschöpfung, neuro-kognitive Beeinträchtigungen und Kurzatmigkeit sind die häufigsten Beschwerden", sagte die Expertin.

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Zeitlich definiert spricht man von Long Covid, wenn mindestens ein Symptom mehr als 28 Tage nach Beginn der Infektion anhält. Dauern die Beschwerden über drei Monate im Anschluss an eine durchgemachte SARS-CoV-2-Infektion an, führen sie zu Funktionseinschränkungen im Alltag und sind sie nicht anders erklärbar, sprechen die Fachleute vom Post-Covid-Syndrom. Dabei werden Symptome berücksichtigt, die mindestens mehr als zwei Monate anhalten oder auch wiederkehrend und in wechselnder Stärke auftreten.

Die Häufigkeit lang anhaltender Beschwerden nach Covid-19 ist laut den vorliegenden internationalen Studien sehr unterschiedlich. "Die Prävalenz liegt zwischen wenigen Prozent bis mehr als 50 Prozent", sagte Judith Löffler-Rag. In einer Patientengruppe (hospitalisiert) der Innsbrucker Universitätsklinik mit einem Anteil von 25 Prozent an ehemaligen Intensivpatienten zeigte noch jeder zweite nach einem Jahr Symptome. Die Lungenspezialistin: "Aus pneumologischer Perspektive berichten bis zu 30 Prozent der Post-Covid-Betroffenen von Kurzatmigkeit und Husten. Im Innsbrucker 'Kollektiv' waren es nach zwölf Monaten 22 Prozent, die noch an Kurzatmigkeit und Husten litten." In China (Wuhan) nahm dieser Anteil innerhalb von zwei Monaten schließlich auf 14 Prozent ab.

Fazit: Die Lunge regeneriert sich auch nach schweren Schäden durch Covid-19 zumeist recht gut. Nach sechs Monaten ist aber zumeist eine Stagnation des Heilungsprozesses zu bemerken, wie die Pneumologin erklärte. Auch wenn beispielsweise in Computertomografie-Untersuchungen bleibende Veränderungen im Gewebe festzustellen sind, bedeutet das zumeist keine Minderung der Lebensqualität, so die Expertin. Nur in Einzelfällen müsse eine Lungentransplantation erfolgen oder es bleibt eine Abhängigkeit von künstlicher Sauerstoffzufuhr erhalten. Rehabilitationsmaßnahmen inklusive Atmungsphysiotherapie und Ausdauertraining helfen jedenfalls.

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Durch Covid-19 nur vorübergehend abgenommen hat die Häufigkeit von akuten Komplikationen bei Patienten mit chronisch obstruktiver Lungenerkrankung (COPD). Das war in den vergangenen zwei Jahren laut dem Linzer Pneumologen Bernd Lamprecht vor allem durch das Maskentragen wegen SARS-CoV-2 und damit auch durch die Verhinderung anderer Atemwegsinfektionen bedingt. Solche "Exazerbationen" führen bei COPD-Patienten oft zu Spitalsaufenthalten und können auch nachhaltig eine Verschlechterung ihres gesundheitlichen Zustandes auslösen. Laut einer spanischen Beobachtungsstudie fiel die Exazerbationsrate bei COPD-Patienten während der Pandemie kurzfristig auf etwa ein Viertel des Ausgangswertes, um schließlich mit dem Aufheben der Hygienemaßnahmen wieder deutlich zu steigen.

In Österreich dürften rund zehn Prozent der Erwachsenen an einer vor allem durch das Rauchen ausgelösten, behandlungsbedürftigen chronisch obstruktiven Lungenerkrankung mit sich oft rapide verschlechternden Lungenfunktion leiden. Laut Lamprecht sollten gerade diese Menschen weiterhin - zumindest während der Jahreszeit mit vermehrten Atemwegsinfektionen - Masken tragen. Weiters sei ein umfassender Impfschutz gegen die Influenza, Pneumokokken und Keuchhusten (Pertussis) sowie Covid-19 dringend anzuraten. An neuen Therapiemöglichkeiten bei COPD dürften in nächster Zukunft auch monoklonale Antikörper (Anti-Interleukin-33) hinzukommen, welche die bei COPD krankhaft vermehrte Schleimproduktion in den Bronchien bremsen. Auch Verfahren zur Verödung verengter Bronchien infolge der chronischen Erkrankung sind in Entwicklung.