Rip-Deal-Gruppe betrog vier Opfer um mehr als eine Million

Polizisten in Wien stoppten international tätige Betrüger
Die Gruppe Goldnagl - die in der Außenstelle Zentrum Ost des Wiener Landeskriminalamtes angesiedelte Rip-Deal Unit Vienna - hat in den vergangenen Monaten einer Rip-Deal-Betrügergruppe das Handwerk gelegt. Auf das Konto des in dem Bereich tätigen Familienclans gehen zumindest vier vollendete Taten, bei denen Opfer in Deutschland um insgesamt über eine Million Euro erleichtert wurden. Der Haupttäter wurde im September in Wien verurteilt.

Die Amtshandlung nahm im Jänner des Vorjahres ihren Lauf. Polizisten im südhessischen Offenbach nahmen verstärkt Aktivitäten von Rip-Dealern wahr, die Anbieter von Immobilien ins Visier nahmen. Dabei stellten sie fest, dass im Laufe des ersten Halbjahres zumindest vier Opfer erleichtert wurden. Und sie kamen im Zuge ihrer Ermittlungen dahinter, dass vermutlich eine österreichische Gruppierung hinter den Betrügereien steckte. So schalteten sie die Rip-Deal Unit Vienna ein, wie Gerald Goldnagl und Valentin Szaga-Doktor am Dienstag vor Journalisten erläuterten.

Im Zuge der umfangreichen Ermittlungen wurde verhindert, dass weitere von den Betrügern kontaktierte Verkaufswillige um Geld erleichtert wurden. Darüber hinaus wurde der vom Wiener Speckgürtel aus agierende 34-jährige Hauptverdächtige, ein österreichischer Staatsbürger mit serbischen Wurzeln, und ein 31-jähriger serbischer Staatsbürger als Mitglieder der Clanfamilie identifiziert. Dazu machten die Ermittler in Zusammenarbeit mit ihren Offenbacher Kollegen und weiteren Dienststellen, unter anderem Europol, Eurojust und Interpol, aber auch Polizeidienststellen in Italien, sechs weitere, aber namentlich nicht bekannte Mitglieder der Gruppe aus.

Der Haupttäter wurde schließlich im Juni diesen Jahres in Rom festgenommen und nach Österreich ausgeliefert, wo er im September in Wiener Neustadt nach einem umfassenden Geständnis vier Jahre Haft bekam. Die Gruppe ging dabei so vor, dass sie als Geschäftspartner und Vertreter von Kaufwilligen auftraten und für die Vermittlung des Immobilienverkaufs eine über Kryptowährung zu bezahlende Provision in der Höhe von rund zehn Prozent verlangten. Den normalerweise mit Bitcoin und Co nicht so vertrauten Opfern richteten sie eine sogenannte Wallet ein - oder unterstützten sie dabei zumindest - und holten sich so den Zugang zu den Passwörtern.

Die Opfer sollten die vereinbarte Provision in die jeweilige Blockchain stellen und den Tätern einen Screenshot schicken, die zuvor schon gefälschte Beweise über die angebliche Übermittlung der Summe für die Immobilie gestellt hatten. Mit den illegal erlangten Passwörtern für die Wallets zogen die Betrüger die Bitcoins ab, der versprochene Vertrag über den Verkauf kam nie, das Geld für die Immobilie gab es ebenfalls nicht. In einem Fall war der Betrogene um 700.000 Euro ärmer, dabei ging es um eine Finca in Spanien. Ein weiteres Detail: Als Anbahner hatten die weitschichtig verwandten Täter einen Unmündigen angelernt, der sich als eine Frau ausgab.

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