APA - Austria Presse Agentur

Manuel Rubey präsentiert mit "Goldfisch" sein erstes Solokabarett

Manuel Rubey ist 40, frisch verheiratet und im deutschsprachigen TV und Kino Dauergast. In seinem ersten Solokabarett, das am Donnerstag im Wiener Stadtsaal seine umjubelte Premiere feierte, inszeniert er sich allerdings als demnächst geschiedener Prokrastinierer, der nicht einmal lebenserhaltende Maßnahmen für den titelgebenden "Goldfisch" auf die Reihe bekommt. Ein kluger, amüsanter Abend.

Eingeläutet wird der 120-minütige Monolog dann ausgerechnet von einer Kinderstimme, die das Publikum bittet, den Papa mit einem großen Applaus auf die Bühne zu bitten, da er sich nun - mit 40 Jahren - endlich getraut habe, sein erstes Solo zu gestalten. Warum er das nicht schon mit 30 gemacht hat, erklärt Rubey, der mit seinem Kollegen Thomas Stipsits bereits die erfolgreichen Duos "Triest" und "Gott & Söhne" auf die Bühne gebracht hat, im Laufe des kurzweiligen, von zahlreichen Songs und "Listen" durchsetzen Abends. Er stehe auf "ehrliche Witze", heißt es ganz zu Beginn, und so finden auch sie immer wieder Eingang in ein Programm, das weder Andreas Gabalier noch Herbert Kickl verschont.

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Als großen Rahmen hat sich Rubey das Verlassenwordensein von seiner Frau "Stella" und den beiden Töchtern gesetzt. Nachdem er aus seiner Wohnung ausziehen musste, schläft sein Alter Ego nun halt auf Tour in den Künstlergarderoben. Weniger glücklich ist der leidenschaftlich prokrastinierende Couch-Potato (der im echten Leben auch schon mal vier Filme gleichzeitig dreht) über die Situation auf der Bühne. Kein Platz zum Hinsetzen! Wie überhaupt das Sitzen aus dem öffentlichen Raum wie Bahnhöfen verbannt worden sei. Fazit: "Sitzen ist das neue Rauchen." Nach einem amüsanten Songstreifzug durch das Leben eines ganz normalen Bobo-Vaters ("Wir schauen dem Rosmarin beim Wachsen zu und färben Bio-Eier") streift er auch die Schattenseiten des Vaterseins vom mangelnden Sexualleben in der Ehe bis hin zur Frage, ob man die pubertierende Tochter eigentlich auf Instagram entfolgen darf, ohne weitreichende psychische Schäden zu verursachen. Apropos Instagram: Hätten die Onkels in seiner Kindheit noch heimlich Fotos von halbnackten Kindern gemacht, seien es nun halbnackte Kinder, die ihre Onkels mit ihren freizügigen Insta-Stories bedienten.

Überhaupt der Gap zwischen dem von dicken Rauchschwaden und gesunder Langeweile durchsetzten Aufwachsen in den 1980ern und der heutigen digitalen Realität, in der die Aufmerksamkeitsspanne der Menschen unter jene eines Goldfischs gesunken sei. "Gott müsste die Welt heute in 20 Minuten erschaffen, Columbus würde auf seinem Weg nach Amerika umdrehen, sobald der Handy-Empfang weg ist", so Rubey. Eingebettet in die Erzählung über die immer stärker werdende Trauer über das neue Leben als künftiger Ex-Ehemann und Teilzeitvater hat Rubey den stakkato-haften Vortrag von Listen, die er hinter einem Standmikro im engen Lichtkegel vorstellt: Da gibt es Listen über "Dinge, die man als junger Schauspieler nicht hören will", "Sätze, an denen Columbo heute scheitern würde" oder "Sachen, die man sich beim Warten auf die Kinder am Bahnhof fragt". Hier gelingen Rubey pointierte innere Monologe voller Selbstironie.

Die zahlreichen Songs, die Rubey im Laufe des Abends zum Besten gibt, fallen in ihrer Ernsthaftigkeit wie musikalischen Qualität positiv auf. Kein Wunder, schließlich sei er es gewesen, "ohne den Falco nicht diese Karriere gemacht hätte", zudem habe er durch den frühen Kauf von Nirvanas "Nevermind" in einem niederösterreichischen Kaff "den Grunge nach Europa gebracht".

Es ist eine gelungene Mischung als Nabelschau, semi-autobiografischem Humor und intelligenter Deutung der Gegenwart, die Rubey hier fast schon schüchtern vom Stapel lässt. Denkt man an jüngere Solodebüts wie etwa jenes von Robert Palfrader, der mit seinem Programm "Allein" im Rabenhof mit seinem Genitalhumor fast schon peinlich scheiterte, freut man sich, dass mit Rubey ein ebenfalls bisher im Doppel erfolgreicher Kabarettist auch allein nicht allein bleiben muss. Er hat das Publikum auf seiner Seite.

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