APA - Austria Presse Agentur

Russischer Geldgeber springt von viennacontemporary ab

Die Wiener Kunstmesse viennacontemporary verzichtet in Zukunft auf ihren bisherigen Geldgeber und Vorstandsvorsitzenden.

Der laut dem wirtschaftlichen Geschäftsführer Markus Huber in dieser Hinsicht unproblematische Russe Dmitry Aksenov zog sich vor dem Hintergrund des Ukraine-Krieges zurück. Stattdessen wird die Trägerorganisation zur Nonprofit-Organisation VC Artfairs. Die neue Eigentümer-Struktur werde gerade finalisiert, man sei auf einem guten Weg, sagte Huber zur APA.

Zur russischen Regierung habe Aksenov Unternehmer keine Verbindungen, sagte Markus Huber, der wirtschaftlicher Geschäftsführer bleibt. Der ehemalige Geldgeber habe Familie in der Ukraine, die er aus dem Land geholt habe. Der russische Unternehmer selbst will VC "für immer freundschaftlich verbunden" bleiben, ließ er in einer Aussendung wissen.

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Neben Huber wird Boris Ondreička als künstlerischer Leiter im Messeteam bleiben. Prominente Zugänge soll es in einem beratenden Board geben, das die Geschäftsführung unterstützt. Neben dem Vorsitzenden des Unirats der Bildenden Künste Boris Marte - er wird dem Board künftig als Chairman vorstehen - und dem Unternehmer Tom Wallmann werden die Sammler Andrea Bier und Bernhard Hainz VC ehrenamtlich unterstützen.

Um die Finanzierung der jährlich 1,2 Millionen Euro teuren Messe kümmert man sich gerade, mit potenziellen Partnern sei man in Kontakt. Huber zeigt sich optimistisch: Die Hälfte der Leute, die man brauche, seien bereits an Bord, sagte er und sprach von einem Weg hin zu einer "gesunderen Wirtschaftlichkeit", in der man nicht mehr von einer Person abhängig sei. Im letzten Jahr sei ein Viertel des Geldes von Aksenov gekommen. Etwa 250.000 Euro habe man heuer bereits von dem Unternehmer bezogen und verwendet, das Geld ist auch für das nächste Jahr zugesagt. "Schauen wir, wie es nächstes Jahr aussieht", sagte Huber dazu.

Gleich bleiben soll der Fokus auf die Region Zentral- und Osteuropa. International stößt unter anderem die ehemalige Kulturstadträtin von Kiew, Yana Barinova, dazu. Bei der heurigen Ausgabe wird denn auch ein Schwerpunkt auf die Ukraine gelegt, mit der man sich bei der viennacontemporary solidarisch zeigen möchte. Trete Kultur nicht klar für Werte ein, so leiste sie nichts, sagte Huber. Russische Galerien dürfen 2022 indes nicht kommen. Man könne von ihnen nicht verlangen, sich in Gefahr zu bringen, indem sie sich gegen das russische Regime äußern, die Messe dürfe aber keinesfalls ein "neutraler Raum" sein.

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Mit der Umstellung strebe man danach, die Messe auf ein breiteres gesellschaftliches Fundament aufzubauen und ihre Position als Vermittlerin zwischen den Regionen zu stärken, hielt Marte in einer Aussendung fest. "Der Standort Wien braucht mehr denn je eine klare Bestimmung als aktiver Brückenbauer zwischen Ost und West. Nicht nur die kriegerische Aggression auf unserem Kontinent führt uns diese Notwendigkeit dramatisch vor Augen", so Marte. Österreich brauche internationale Formate wie die viennacontemporary, um in der Kunstwelt als relevanter Akteur wahrgenommen zu werden.

Bei der viertägigen viennacontemporary, die von 8. bis 11. September heuer erstmals im Kursalon Wien im Stadtpark stattfindet, werden knapp 70 Galerien eingeladen. Neben der Ukraine soll auch das Thema "Crypto, Digital & New Media" im Vordergrund stehen, dem ein eigenes Projekt gewidmet wird.