Ostukraine: Russland bekommt Wassermangel nicht in den Griff

Der beschädigte Siwerskyj-Donez-Kanal in Tschassiw Jar im Februar
In den russisch besetzten Gebieten in der Ostukraine droht nach britischen Erkenntnissen ein Wassermangel.

"Wasserknappheit ist seit der russischen Invasion in der Ukraine im Jahr 2022 ein wachsendes Problem für das von Russland besetzte Donezk", teilte das britische Verteidigungsministerium am Dienstag in seinem täglichen Geheimdienstbericht mit und verwies auf Aussagen der Machthaber in der selbst ernannten Volksrepublik Donezk.

So sei der Siwerskyj-Donez-Kanal, der die Region hauptsächlich versorge, weiterhin weitgehend in ukrainischer Hand. "Russische Kräfte haben wahrscheinlich versucht, den Kanal zu sichern, um die Wasserknappheit in Donezk zu verringern", hieß es in London. Allerdings habe der massive russische Artillerieeinsatz im Kampf um die Stadt Bachmut vermutlich auch den Kanal, der durch die westlich gelegene Stadt Tschassiw Jar verläuft, und andere Wasserinfrastruktur beschädigt. Russland untergrabe damit seine eigenen Bemühungen, den selbst verursachten Wassermangel zu beheben, hieß es vom britischen Ministerium.

"Um den mangelnden Erfolg bei der Eroberung und Kontrolle des Kanals auszugleichen, baut Russland wahrscheinlich eine Wasserleitung, um die Wasserknappheit in der Stadt Donezk zu verringern", hieß es in London weiter. "Allerdings ist es höchst unwahrscheinlich, dass damit der eingeschränkte Zugang zu Wasser in den besetzten Regionen vollständig kompensiert werden kann."

Informationen des britischen Verteidigungsministeriums

Das britische Verteidigungsministerium veröffentlicht seit dem Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine unter Berufung auf Geheimdienstinformationen täglich Informationen zum Kriegsverlauf. Damit will die britische Regierung sowohl der russischen Darstellung entgegentreten als auch Verbündete bei der Stange halten. Moskau wirft London eine Desinformationskampagne vor.

Die Ukraine hat nach eigenen Angaben eine nächtliche Angriffswelle weitgehend abgewehrt. Die Luftabwehr habe 23 von 25 Raketen zerstören können, die hauptsächlich auf Kiew gerichtet gewesen seien, teilen die Behörden mit. Es habe keine Opfer und wenig Schäden gegeben. "Wie an der Front ist der Plan des Aggressors nicht aufgegangen", schreibt der Chef der Militärverwaltung der Hauptstadt, Serhij Popko, auf Telegram. Er bringt die neue Angriffswelle in Zusammenhang mit den am Dienstag in Moskau anstehenden Feierlichkeiten zum Gedenken an den Sieg über Nazi-Deutschland 1945. Russland versuche, an diesem für das Land "heiligen" Tag "so viele Zivilisten zu töten wie möglich".

Der 9. Mai gilt Russland dieses Jahr als besonders symbolträchtig, weil Präsident Wladimir Putin die Invasion der Ukraine ursprünglich mit dem Ziel begründet hat, dort angeblich eine Art neuen Faschismus bekämpfen zu wollen. Die Regierung in Kiew und ihre Verbündeten weisen dies zurück und werfen Russland vor, einen Angriffskriegs gegen das Nachbarland zu führen.

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