APA - Austria Presse Agentur

Sacharow-Preis an chinesischen Regierungskritiker

Der in China inhaftierte uigurische Wirtschaftswissenschaftler Ilham Tohti wird am Donnerstag mit dem diesjährigen Sacharow-Preis des Europaparlaments ausgezeichnet. Das verlautete am Donnerstag aus Parlamentskreisen in Straßburg. Wegen seines Einsatzes für eine Verbesserung der Situation der uigurischen Minderheit in der Volksrepublik war er 2014 zu lebenslanger Haft verurteilt worden.

Ihm wurde "Separatismus" vorgeworfen. Das ungewöhnlich harsche Urteil im September 2014 gegen den Pekinger Wirtschaftsprofessor erscheint heute als Vorläufer der verschärften Verfolgung des Turkvolkes in der Nordwestregion Xinjiang. Nach Schätzungen sollen rund eine Millionen Uiguren in Umerziehungslager gesteckt worden sein, was weltweit Empörung ausgelöst hat.

Dabei gilt der 49-jährige Professor der Minderheiten-Universität (Minzu Daxue) in Peking als gemäßigte Stimme. Er war Mitbegründer einer Webseite über Uiguren, die auf Dialog mit Han-Chinesen bedacht war. Ihm war in dem Urteil vorgeworfen worden, die Politik der Regierung gegenüber Minderheiten, Religion sowie die Wirtschafts-und Familienplanung "angegriffen" zu haben. Er habe die Ursachen von Unruhen "verdreht" und damit "ethnischen Hass" entzündet.

Die Liberalen im EU-Parlament hatten den 49-Jährigen für den mit 50.000 Euro dotierten Sacharow-Preis vorgeschlagen, der trotz seiner Inhaftierung für Dialog zwischen den Uiguren und dem chinesischen Staat eintritt. Ende September war er deshalb bereits mit dem Vaclav-Havel-Menschenrechtspreis des Europarats ausgezeichnet worden.

Der nach dem verstorbenen russischen Dissidenten und Physiker Andrej Sacharow benannte Preis wurde 1988 ins Leben gerufen. Er wird jährlich vom Europäischen Parlament an Menschen verliehen, die sich "in besonderer Weise für die Menschenrechte eingesetzt haben". Zu den früheren Preisträgern gehören unter anderen der saudi-arabische Blogger Raif Badawi, Südafrikas Ex-Präsident Nelson Mandela und der Gynäkologe Denis Mukwege aus dem Kongo.

Die Auszeichnung wird am 18. Dezember in Straßburg während der letzten Plenarsitzung des Jahres verliehen. An der Zeremonie sollen nach Möglichkeit alle Kandidaten teilnehmen.

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