APA - Austria Presse Agentur

"Saltice" ein Märchen aus Tausend und einem Papier

Es war einmal... ein Märchen über die Kraft des Salzes, geschrieben für die Europäische Kulturhauptstadt Bad Ischl - Salzkammergut 2024 (SKG 2024), erstmals aufgeführt als Kinder-Musiktheater am Samstag im Papiermachermuseum in Laakirchen. Die Erzählung "Saltice" von Susanne Felicitas Wolf hat Komponist Ruben Zahra vertont. Vor allem beeindruckt die visuelle Umsetzung mit der Materie Papier, die der Inszenierung viel Anmut verleiht. Ein Märchen auf Tausend und einem Papier.

Für 50 Minuten fühlte man sich am Samstag in jene Zeit zurückversetzt, als der eigene Nachwuchs noch im Kindesalter war und man mit ihm Vorstellungen besuchte, die auch die Eltern in fantastische (Kinder)Welten eintauchen ließen. Das Märchen, in dem Sagen-Motive aus dem Salzkammergut und Fakten aus der Geschichte des Salzabbaus eingearbeitet sind, verzaubert durch das Zusammenspiel von Papierkunst (Pop-up Skulpturen und Origami Technik), Tanz, Musik, Gesang und Videografie.

Der partizipatorische Gedanke der Kulturhauptstadt ist bei diesem einzig dezidierten Projekt mit Kindern für Kinder von SKG 2024 aufgegangen. Der aus Malta stammende Komponist Zahra, der auch Regie führt, hat für die Inszenierung Chor- und Orchestermitglieder der örtlichen Landesmusikschule sowie Tänzer und Tänzerinnen der Musikschule mit Profis zusammengebracht. Nachdem das Leben in Laakirchen besonders durch die Papierfabrik geprägt ist - woran Samstagnachmittag auch der stechende Geruch auf dem Weg zum Papiermachermuseum keine Zweifel aufkommen ließ - entstand die Idee: Außer Salz, Wasser und Eis muss auch Papier bestimmendes Element von "Saltice" (= Salt + Ice) werden. Der Regisseur schaffte für Autorin Wolf den "Brückenschlag", indem regionale Themen von internationalen Papierkünstlern umgesetzt wurden. Peter Dahmen aus Berlin schuf aus Papier die übergroßen Köpfe vom Wolf und dem Bären, Kaori Kato entwarf die Requisiten und Polly Verity die papierenen Kostüme.

Schauspielerin Sonja Zobel trug in Laakirchen die Geschichte von den Geschwistern Katharina und Martin vor, die ausziehen, um ihren sterbenskranken Vater, der im Salzbergwerk arbeitet, zu retten. Wie es sich für ein Märchen gehört, begleiten böse Wesen und gute Geister die zwei auf ihrem Weg zum Eispalast im Inneren des Berges. Mit dabei haben sie ein Säckchen Salz, das sie für das Meistern ihrer Aufgabe benötigen: Wasser aus dem Bergsee schöpfen, um damit die verwelkende Lebensblume des Vaters im Eispalast zu gießen, worauf diese sich wieder aufrichtet.

Die Erzählung wird immer wieder unterbrochen von Orchester und Chor, der nur Vokale singt, Tanzeinlagen oder den Leinwandprojektionen von sich auffächernden Papierobjekten, die mal Eispalast, mal Salzberg oder mal Lebensblume darstellen. Das Musiktheater-Projekt wurde so angelegt, dass es auf Tour gehen kann, um an anderen Orten mit dortigen Profis und Laien auf die Bühne gebracht zu werden. So soll es auch im estnischen Tartu, das dieses Jahr ebenfalls europäische Kulturhauptstadt ist, gezeigt werden.

(Von Kerstin Scheller/APA)