Schau in Bad Ischl widmet sich Schattenseiten der Monarchie

Intendantin Schweeger vor den Stelen
Nachdem im Frühling eine Serie von Ausstellungen zum Thema NS-Kunstraub ("Reise der Bilder") eröffnet worden ist, setzt die Europäische Kulturhauptstadt Bad Ischl - Salzkammergut 2024 nun einen weiteren Schwerpunkt zu einem historisch belasteten Komplex. Das Projekt "k.u.k. kritisch und kontrovers" rüttelt an "Sisi und Franzl"-Kitsch, Kaiserfolklore und romantisierender Habsburger-Verklärung. Die Outdoor-Ausstellung im Kurpark Bad Ischl wurde am Samstag eröffnet.

In Bad Ischl frönten Kaisers nicht nur der Sommerfrische - hier trat Franz Joseph I. auch eine Katastrophe los. Am Morgen des 28. Juli 1914 unterschrieb er dort das "Manifest an meine Völker", in dem er Serbien den Krieg erklärte. Diese fatale Entscheidung mündete in den Ersten Weltkrieg. Dies nahm die Kulturhauptstadt zum Anlass, das Kürzel "k&k" von "kaiserlich und königlich" in "kritisch und kontrovers" umzudeuten.

Hannes Leidinger und Nadia Rapp-Wimberger widmen sich gemeinsam mit Verena Moritz und Lenz Mosbacher diesem Vermächtnis. Neun Doppelstelen im Kurpark sind mit Info-Texten, historischen Bildern und neuen Illustrationen versehen und thematisieren die Jahrhunderte währende Monarchie der Habsburger, ihre Probleme und schließlich ihren Zerfall - eine Bewegung, die auch die Stelen mitmachen: Von Station zu Station weichen sie weiter auseinander, wie einst Österreich-Ungarn oder der gesamte Kontinent.

Besonders auffällig sind die Stelen schon allein ob ihrer Farbgebung (schwarz-weiß) und der spiegelnden Rückseite nicht, dafür sind sie so zentral wie nur irgendwie möglich platziert. Sie stießen bei der Eröffnung gleich auf reges Interesse der zahlreichen Spaziergänger, die sich bei sprichwörtlichem Kaiserwetter am Samstag im Herzen der Stadt, dem Kurpark, tummelten. Wer sich weiter in die Materie vertiefen will, kann mittels QR-Codes Ton- und Bilddokumente sowie eingesprochene Texte abrufen.

Das Historikerteam, das die Schau kuratiert hat, will aber nicht allein einen negativen Blick auf die Zeit der Monarchie werfen. Wichtig sei, klar zurückzublicken, zu verstehen und dann vielleicht "für morgen etwas besser machen zu können", so Kulturhauptstadt-Intendantin Elisabeth Schweeger. "Der Kaiser gehört zu Bad Ischl", alleine durch seine regelmäßige Anwesenheit, sagte Bürgermeisterin Ines Schiller (SPÖ), dennoch müsse man sich kritisch mit der Geschichte befassen.

Kurator Hannes Leidinger sieht im Doppeladler ein Sinnbild des Zustandes der Donaumonarchie des 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts - weil er in zwei Richtungen blickt, auseinander statt zueinander. Lange habe es aber auch Zusammenhalt gegeben, weshalb heute noch viele Leute ein positives Bild der Monarchie hätten, meint der Historiker. Die Ausstellung will beide Seiten beleuchten, aber "keine Klischees bedienen". Die Schau wird bis Ende 2024 zu sehen sein und im Lauf des restlichen Kulturhauptstadtjahres noch durch eine Reihe von Vorträgen und Diskussionen zu diesem Aspekt der Geschichte ergänzt.

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