APA - Austria Presse Agentur

Sonderausstellung in Kärnten für akut bedrohte Hornotter

"Ist das nicht eine Schönheit?" Wenn es um Reptilien aller Art geht, ist Helga Happ, die Betreiberin des gleichnamigen Zoos in Klagenfurt, voll in ihrem Element. Eine Schlange hat in ihr aber eine besonders engagierte Fürsprecherin gefunden: die Hornotter. Nicht zuletzt, weil Mitteleuropas größte Giftschlange, die österreichweit nur in Kärnten und der südlichen Steiermark vorkommt, akut bedroht ist - von der Verbauung ihrer Lebensräume, aber auch von Schlangenfängern.

Zugegeben: "Vor 20, 25 Jahren hätte ich mich noch nicht getraut, eine Sonderausstellung für die Hornotter zu machen. Ich hätte sicher böse Briefe oder Anrufe bekommen, wieso man denn ausgerechnet einem giftigen Tier so eine Ehre zukommen lässt", sagte Happ bei der Eröffnung der Ausstellung am Donnerstag. Doch heute sei die Zeit reif dafür: "Ich bin mir sicher, die Leute haben ein Verständnis dafür, dass auch Giftschlangen schützenswert sind."

"Kärntens schillerndste Persönlichkeit", so die Eigenbeschreibung der Ausstellung, wirkt in der Tat faszinierend. Man kennt sie auch unter dem Namen Sandviper oder Sandotter. Ausgewachsene Männchen werden bis zu 1,1 Meter lang, ihr dreieckig geformter Kopf, der typische Vipernkopf, verdankt seine Form den Giftdrüsen. Ein dunkles Zickzackmuster zieht sich über die Körper der meist grauen Männchen und rotbraunen Weibchen. Eine Leiste über den Augen sorgt für den "gefährlichen Blick". Das Maul geht besonders weit auf: "Die Beute der Hornotter kann sieben Mal so groß wie ihr Kopf sein."

Und dann wären noch die Giftzähne, die bis zu einem Zentimeter lang sind. "Wir können froh sein, dass sie wohl die beißfaulste Schlange bei uns ist. Da muss man schon hingreifen, dass sie etwas tut", so Happ. Womit wir bei des Pudels Kern wären: der Giftigkeit. Tatsächlich spürt man einen Biss der nadelspitzen Zähne - "schneller als ein Wimpernschlag!" (Happ) - kaum. Die Folgen können aber geschwollene Lymphknoten, Übelkeit, Atemnot und Bewusstlosigkeit bis hin zum Koma sein. Allerdings ist der letzte tödliche Hornotter-Biss in Kärnten für das Jahr 1896 vermerkt. Ein Apotheker in Friesach hatte die Idee, sich gleich zwei der Tiere um den Hals zu hängen, um entweder ihre Ungefährlichkeit oder seinen Mut zu demonstrieren.

Während solche Bisse für Menschen selten letale Folgen haben, stehen diese im Tierreich natürlich auf der Tagesordnung. Mäuse, Ratten und Eidechsen stehen ebenso am Speiseplan, wie Vögel, auf die Hornottern auf Bäumen lauern. "Sie sind klassische Ansitzjäger, die keine Energie überflüssig verschwenden."

Oft werden aber die Jäger zu Gejagten - da hilft es auch nichts, dass die Hornotter schon seit 1973 in Österreich unter strengem Schutz steht. Vielleicht ist es auch diesem Umstand zu verdanken, dass die Tiere als besonders begehrte, wenn auch höchst illegale, Terrarientiere gelten. "Es gibt Schlangenfänger, die kennen sich bei den Rückzugsorten besser aus als wir", seufzt die Reptilienexpertin.

Und gerade diese Orte werden immer rarer. Hornvipern bevorzugen - anders als es ihre anderen Namen mit Bezug auf Sand schließen lassen - nämlich vor allem "Steinhaufen, Natursteinmauern, Ruinen, alles, wo sie Schlupfwinkel finden", so Happ. Geröllhalden, vor allem sonnseitig, seien ideale Lebensräume: "Also genau da, wo wir Häuser bauen und Humus anschütten für einen schönen Rasen." Aus diesem Grund greifen Zoomitarbeiter im Einklang mit Grundbesitzern und Behörden auch oft selbst zur Motorsäge. Wenn es Meldungen gibt, dass sich die Hornotter in Privatgärten verirrt, kann das ein Hinweis sein, dass in der Nähe etwa ein alter Steinbruch oder eine stillgelegte Schottergrube zu verwachsen für die Schlangen ist. Und da wird dann ausnahmsweise "entforstet", um zumindest einen kleinen Fleck des Hornotter-Lebensraums wieder herzustellen.

Übrigens: Warum die Schlange ihr charakteristisches Horn ganz vorne am Kopf trägt, ist bis heute nicht geklärt. Kärntens schillerndste Persönlichkeit ist also auch noch geheimnisvoll.

(Von Peter Lindner/APA)