Sportler und Klimawandel machen Tiroler Jagd zu schaffen

Das Wild leidet zunehmend unter dem Klimawandel und Platznot
Immer mehr Menschen, die Erholung oder das "Fitnessstudio im Wald" suchen, sowie immer wärmere Temperaturen machen der Tiroler Jägerschaft am meisten zu schaffen. Landesjägermeister Anton Larcher erneuerte deswegen im APA-Gespräch seine Forderung nach Wildruhezonen und Wildwiesen, denn "es muss für alle Platz sein". Dass künftig via Verordnung statt Bescheid Wölfe abgeschossen werden sollen, begrüßte er aufgrund steigender Rechtssicherheit für die Jägerschaft.

"Wenn ich auf einem Hochsitz sitze und in der Dämmerungsphase läuft ein Jogger durch den Wald, kann ich zusammenpacken und gehen", fasste Larcher zusammen. Dass Erholungssuchende zunehmend mit Stirnlampen in der Nacht unterwegs seien oder auch Nachtskitouren und Nachtskilauf en vogue sind, verschärfe die Problematik. Wenn die Sportlerinnen und Sportler dann "in den Bereich der Fütterung kommen, bleiben sie Stunden oder tagelang weg und gehen in die Dickungen, wo sie sich sicher fühlen. Dann bekommen sie Hunger und fangen an, einen Vegetationsschaden anzurichten", erklärte Tirols oberster Jäger.

"Wenn der Wildeinfluss zu groß wird, entsteht ein Wildschaden und der wirkt sich auf den Wald und die Verjüngung des Waldes aus", so Larcher. Eine Verjüngung des Waldes sei aber für den Klimawandel wesentlich. Wie Tirols zuständiger Landesrat LHStv. Josef Geisler (ÖVP) am Montag mitteilte, setze man zur Bekämpfung des Klimawandels auf "widerstandsfähige Mischwälder. Ein angepasster Wildstand ist für das Aufkommen des Jungwaldes und eine natürliche Verjüngung essenziell", hielt er fest.

Für Wildruhezonen und Wildwiesen fehle momentan aber das politische Commitment, sagte Larcher. Schließlich würde die Ausweisung solcher Flächen nur dann funktionieren, wenn die Nicht-Einhaltung sanktioniert würde. "Die Bereitschaft, mit Sanktionen und Verboten zu arbeiten, ist für Politiker aber ein heißes Eisen", räumte er ein. Es bräuchte eine Kompromissbereitschaft, diese sei derzeit aber "nicht in Sicht".

Tuberkulose (Tbc) sei in Tirol ein rückläufiges Problem, berichtete Larcher. Allerdings sei man noch in einem Bereich, wo es "keinen Grund zum Feiern" gebe. Auch Geisler sagte, dass man "die Hände nicht in den Schoß legen" dürfe. Die Jagdstatistik des Jahres 2022 zeigte, dass in den Bezirken Reutte und Landeck 39 Stück Rotwild als Verdachtsfälle einer genaueren Untersuchung unterzogen wurden, bei 22 bestätigte sich der Verdacht, ein Teil der Ergebnisse ist noch ausständig. Bei Rindern wurde kein einziger Fall festgestellt. Mit der tirolweiten Abschussquote von über 90 Prozent zeigte sich der Landesjägermeister indes zufrieden und nannte eine Steigerung von 5,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Neben dem Schießen von Gams, Hirsch und Co. könnte den Jägern künftig die Aufgabe zufallen, auch Wölfen an den Kragen zu gehen. Die schwarz-rote Tiroler Landesregierung will nämlich im Februar-Landtag die gesetzliche Grundlage zum Abschuss nicht wie bisher mittels Bescheid, sondern via Verordnung schaffen. Im vergangenen Jahr scheiterte in drei Fällen ein Bescheid an Einsprüchen durch Naturschutzorganisationen.

Der Landesjägermeister zeigte sich insgesamt "semibegeistert" davon, dass der Jägerschaft diese Verantwortung zufallen werde. Im Bescheid waren nämlich die sogenannten "entnahmeberechtigen Personen" namentlich angeführt und er fürchtete Angriffe durch "radikale Tierschützer und Radikalveganer". Er erhoffte sich durch den Verordnungsweg mehr Rechtssicherheit und auch, dass ein Abschuss schneller erfolgen könne. Ansonsten werde man keinen Erfolg haben. Larcher nannte den Wolf aber ein "gesellschaftspolitisches Problem" und appellierte an die EU, den Weg für leichtere Abschussregeln freizumachen.

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