Sprengstoff war im Haus des steirischen Bombenbauers

Explosives Material wurde kontrolliert zur Detonation gebracht
Nach der Festnahme eines 55-jährigen Verdächtigen, der gestanden hat, mehrere Bomben bei den Zeugen Jehovas in der Steiermark platziert zu haben, ist Mittwochabend bei einer Hausdurchsuchung seiner Räumlichkeiten südlich von Graz unter anderem Sprengstoff gefunden worden. Die Ermittler haben Beweise und Proben gezogen, anschließend wurde das explosive Material an einer sicheren Örtlichkeit zur Detonation gebracht, hieß es am Donnerstag seitens der Polizei.

Laut Sprecher Markus Lamb waren es kontrollierte Explosionen, die auch für die Bevölkerung in der Nähe wahrnehmbar waren. Gefahr habe aber nicht bestanden, versicherte er. Zuvor gezogene Proben werden nun weiteren Analysen und Untersuchungen unterzogen. Auch elektronische Beweismittel wurden sichergestellt, die noch forensisch ausgewertet und untersucht werden. Über die Menge des gefundenen Sprengstoffs gab die Polizei keine Auskunft.

Die Hausdurchsuchung habe bis in die Nachtstunden gedauert und umliegende Häuser wurden dafür auch vorsorglich evakuiert. Es standen polizeiliche Experten für Spreng- (SKO) sowie Gefahrenstoffe (GKO) sowie der Entschärfungsdienst (ESD) mit Spezialfahrzeugen und einem Sprengunterdrückungssystem im Einsatz. Unterstützung bekam das beim Landesamt für Staatsschutz und Extremismusbekämpfung (LSE) eingerichtete Ermittlerteam auch vom Einsatzkommando Cobra, der Einsatzeinheit (EE), Kriminaltechnikern vom Bundeskriminalamt (BK) und Sprengstoff-Spürhunden der Polizei.

Der Verdächtige indessen wird wohl noch am Donnerstag in die Justizanstalt Graz-Jakomini überstellt, wo aller Voraussicht nach am Freitag die Untersuchungshaft über ihn verhängt werden dürfte. Der Verdächtige war bisher "sehr kooperativ", so die Ermittler.

Im Hintergrund laufen nun die Ermittlungen weiter: "Dabei werden vor allem getätigte Aussagen auf deren Plausibilität geprüft und durch mögliche Beweismittel untermauert. Auch die Suche nach dem bereits Anfang Mai am Fahrzeug der Ex-Frau angebrachten und scheinbar verloren gegangenen Sprengsatz läuft weiter", so die Polizei. Dieser könnte bereits unbemerkt und ohne Schaden detoniert sein. Aufgrund der bisher vorliegenden Erkenntnisse und Informationen zur Bauweise des Sprengsatzes sei jedoch davon auszugehen, dass mittlerweile keine akute Gefahr von diesem Gegenstand ausgeht. Sollte jemand dennoch Funde von Bestandteilen machen, sei Vorsicht geboten und der Notruf 133 zu wählen.

Laut den Ermittlern soll es während der Beziehung des Mannes mit seiner Ex-Frau, die er eigentlich im Visier hatte und töten wollte, zu Gewalttätigkeiten gekommen sein. Diese lagen bisher aber polizeilich nicht auf. Die Sprengsätze bei den Fahrzeugen und Gebäuden der Zeugen Jehovas hätten nur der Ablenkung dienen sollen. Eine am Wagen seiner Ex-Frau detonierte Bombe war allerdings nicht explodiert. Diese ist nach wie vor verschwunden.

(S E R V I C E - In Österreich finden Frauen, die Gewalt erleben, u.a. Hilfe und Informationen bei der Frauen-Helpline unter: 0800-222-555, www.frauenhelpline.at; beim Verein Autonome Österreichische Frauenhäuser (AÖF) unter www.aoef.at sowie beim Frauenhaus-Notruf unter 057722 und den Österreichischen Gewaltschutzzentren: 0800/700-217; Polizei-Notruf: 133)

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