APA - Austria Presse Agentur

Staatsanwälte befragen Conte zu Corona-Krisenmaßnahmen

Staatsanwälte der von der Coronavirus-Epidemie schwer betroffenen Stadt Bergamo haben am Freitag mit der Befragung von Italiens Ministerpräsident Giuseppe Conte zu den Krisenmaßnahmen seiner Regierung begonnen. Conte stellte sich am Regierungssitz den Fragen der Ermittler, verlautete in Rom.

Hinterbliebene von Opfern hatten am Mittwoch in der besonders stark betroffenen Provinz Bergamo Strafanzeige gegen unbekannt erstattet. Sie werfen den Behörden vor, wegen Fahrlässigkeit und Inkompetenz für zahlreiche Todesfälle durch das Virus verantwortlich zu sein. Neben Conte sollen auch Gesundheitsminister Roberto Speranza und Innenministerin Luciana Lamorgese von den Staatsanwälten als Zeugen gehört werden, wie italienische Medien berichteten.

Bei den Untersuchungen der Staatsanwälte geht es vor allem um das mögliche Versäumnis der Regierung, besonders betroffene Gebiete in der Provinz Bergamo als sogenannte Rote Zonen nicht abzuschotten, um so die Ausbreitung des Virus zu stoppen, hieß es aus Ermittlerkreisen.

Die Behörden werden unter anderem beschuldigt, die Gemeinden Nembro und Alzano Lombardo bei Bergamo Anfang März nicht zur Sperrzone erklärt zu haben, obwohl dort zahlreiche Todesopfer und Infektionsfälle gemeldet worden waren. Weil diese beiden Gemeinden nicht abgeriegelt wurden, habe sich die Infektion in der ganzen Region Lombardei stark verbreitet, lautet der Vorwurf. Premier Conte soll erklären, warum die Regierung die beiden lombardischen Gemeinden nicht zur Sperrzone erklärte, obwohl wiederholt dazu aufgerufen worden sei.

"Ich fürchte mich nicht vor dem Treffen mit den Staatsanwälten, weil ich nach meinem Gewissen gehandelt habe. Ich werde den Ermittlern über die Umstände im März berichten", sagte Conte im Interview mit der römischen Tageszeitung "Il Messaggero" (Freitag).

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