APA - Austria Presse Agentur

Stiftung feiert Jubiläum: Virtuell zu Gast bei Alban Berg

Die Wohnung in Hietzing präsentiert sich so, als sei Alban Berg gerade vom Klavier aufgestanden und ins Nebenzimmer gegangen - wenn man einmal von der Totenmaske des 1935 verstorbenen Tonsetzers am Schreibtisch in der Trauttmansdorffgasse absieht. Das reale Erlebnis, bei Berg zu Gast zu sein, haben aus konservatorischen Gründen nur wenige - virtuell steht die Wohnung nun jedoch der Welt offen.

Die 1969 eingerichtete Alban Berg Stiftung hat aus Anlass ihres 50-jährigen Bestehens einen virtuellen Rundgang durch das ehemalige Komponistenheim erstellt, der am Montag freigeschaltet wurde (www.absw.at/stiftung-wohnung). Zu einzelnen Objekten oder Gemälden kann sich der digitale Gast Zusatzinformationen holen. So finden sich etwa Fotos von Schönberg, Berg selbst oder Mahler an der Wand. "Wenn Alban Berg am Klavier gesessen ist, hat er auf Mahler geschaut", verwies Stiftungspräsident Maximilian Eiselsberg am Montag vor Journalisten auf oftmals übersehene Traditionslinien, die sich hier als Blickachse verdeutlichen.

Wer eine 3D-Brille sein Eigen nennt, kann sogar im VR-Modus durch die Anlage spazieren. Zusätzlich kann man auch noch durch das digitalisierte Fotoalbum der Komponistenwitwe Helene Berg blättern, um einen weiteren intimen Einblick in das Leben des prominenten Vertreters der Zweiten Wiener Schule zu erhaschen.

Die rund 150 Quadratmeter umfassende Wohnung hatten Alban und Helene Berg einst gemietet. Mittlerweile gehört sie wie das gesamte Haus der 1969 eingerichteten Stiftung, die den Kampf gegen Motten und den Trotzkopfkäfer anging und die Anlage renovierte. In der Wohnung über der Komponistenbehausung findet sich heute das Büro der Stiftung mit ihren sieben Mitarbeitern, die übrigen Wohnungen finanzieren mit den Mieteinnahmen den Stiftungszweck, sind doch schließlich die Tantiemen 2005 - 70 Jahre nach dem Tod Bergs - ausgelaufen.

Die von Berg-Witwe Helene vorangetriebene Institution fördert junge Musiker und will das Andenken an den Komponisten hochhalten. Man unterstützt mittlerweile etwa das junge Alban Berg Ensemble Wien, das in seine vierte Saison geht und das seit 2016 vor der Staatsoper stehende Berg-Denkmal. Valorisiert habe man bis dato über elf Mio. Euro Fördergelder ver- respektive mehr als 1.200 Förderanträgen stattgegeben.

Der musikalische Nachlass Alban Bergs wird großteils in der Nationalbibliothek verwahrt. Ab 1986 veröffentlicht man die Berg-Gesamtausgabe, von der mittlerweile mehrere Bände erschienen sind. Und man will mit der Buchreihe "Alban Berg Studien" auch ein breiteres Publikum ansprechen. In deren Rahmen erscheint nun zum Jubiläum "... eine würdige und dauernde Gedenkstätte ... 50 Jahre Alban Berg Stiftung (1969-2019)", herausgegeben von Stiftungsgeneralsekretär Daniel Ender.

Die Aufgabe der Stiftung sei eben doppelgestaltig, unterstrich Ender: "Erhalten und Gestalten." So hofft man innerhalb der kommenden zwei Jahre die Gesamtausgabe um die zwei zentralen Opern "Lulu" und "Wozzeck" zu ergänzen. Dafür werden noch Buchpaten gesucht, die sich an den Kosten beteiligen wollen.

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