APA - Austria Presse Agentur

Stimmung unter Jungunternehmern hat sich eingetrübt

Die Stimmung der heimischen Jungunternehmer hat sich nach einem leichten Hoch im Sommer wieder eingetrübt. Mehr als ein Drittel der Jungbetriebe rechnet in der nahen Zukunft mit einer rückläufigen Konjunktur, zudem stimmen Preissteigerungen bzw. zunehmender Kostendruck die Jungunternehmerinnen- und unternehmer wenig zuversichtlich. Zu diesem Ergebnis kommt eine Umfrage (n=1.923) des Linzer market-Instituts im Auftrag der WKÖ-Branchenvertretung Junge Wirtschaft.

Demnach erwarten nur 31 Prozent der Befragten einen wirtschaftlichen Aufwärtstrend, ein Minus von 19 Prozent gegenüber dem Sommer 2021. Zwar war die Stimmungslage im Vergleich zu Dezember 2020, als nur 19 Prozent von einer positiven Entwicklung ausgingen, noch etwas heller, insgesamt sei die Gemütslage aber "schaumgebremst", sagte David Pfarrhofer vom market-Institut in einer Pressekonferenz am Dienstag.

Die trübe Stimmung spiegelt sich laut der von Pfarrhofer präsentierten Studie vor allem in der Wahrnehmung der eigenen Kostenlage wider. So rechnete eine große Mehrheit der Befragten (82 Prozent) mit einem weiteren Inflationsschub in naher Zukunft. Mehr als die Hälfte der Befragten (51 Prozent) ging von einer Verschlechterung der eigenen Kostensituation aus, was dem höchsten Wert der letzten 10 Jahre entspricht - annähernd so pessimistisch war die Aussicht nur kurz nach dem Ausbruch der Corona-Pandemie im Mai bzw. Juni 2020 (45 Prozent).

Darüber hinaus stellte zuletzt nur eine Minderheit der Jungunternehmer einen Auftrieb beim Kaufvolumen ihrer Kunden fest, das Gros der Befragten (54 Prozent) ortete diesbezüglich Stagnation. Demgemäß prognostizieren jeweils 37 Prozent der Befragten eine konstant bleibende bzw. sich verschlechternde Ertragslage für das eigene Unternehmen. 59 Prozent der befragten Jungunternehmer gaben an, von höheren Verkaufspreisen auszugehen und den Kostendruck an die Kunden weitergeben zu müssen.

Mehr Schatten als Licht sahen die Jungunternehmer ferner bei den Aktivitäten und rezenten Veränderungen in der Bundesregierung. Besonders schlecht wird dabei das Krisenmanagement in der Pandemie bewertet, mit Blick auf die Steuerreform zeigte sich nur ein Viertel zufrieden, wobei sich ein weiteres Viertel der Befragten dazu vorerst nicht festlegen wollte. Als größte Herausforderung für 2022 werteten die Befragten steigende Preise von Rohstoffen, Vorleistungen und Energie, aber auch Lieferkettenprobleme stellen für die Jungunternehmer laut eigenen Angaben eine große Hürde dar.

All diese Faktoren würden zu einer "allgemeinen Skepsis" führen, sagte Pfarrhofer. Auszugehen sei von einer "Investitionsbremse" im Bereich einer "an sich investitionsfreudigen" Unternehmerschaft. Mehrheitlich planten die Unternehmen auch keine weiteren Anstellungen, geht aus der Umfrage hervor.

Mit "gemischten Gefühlen" startete daher auch Christiane Holzinger, Bundesvorsitzende der Jungen Wirtschaft, in das noch junge Jahr 2022. Nach ihrer eigenen Erfahrung sei die Stimmung der Unternehmen momentan "grottenschlecht" und "emotionaler", als es die Daten zeigten. Den Jungunternehmern fehle es an Planungssicherheit, der Kostendruck hänge "wie ein Damoklesschwert" über den Dächern der Betriebe, schilderte Holzinger die Lage.

Am Zug sieht die Branchenvertreterin die türkis-grüne Regierung. Einen Hebel habe diese bei den Lohnnebenkosten, deren Senkung die Rahmenbedingungen für Betriebe spürbar verbessern würde. Gleichzeitig müsse man im Bereich der Lohnverrechnung nachschärfen und bürokratische Erleichterungen herbeiführen. Höchste Zeit sei es auch für eine Fachkräfteoffensive und eine Ausweitung der Kinderbetreuungsmöglichkeiten, um "Frauen und Mütter in die Beschäftigung" zu bringen. Das allgemeine Ziel müsse es sein, "die Leidenschaft" für die "Jüngsten" neu zu entfachen, so Holzinger.