APA - Austria Presse Agentur

Syrische Armee und kurdische Kräfte kämpfen "gemeinsam"

Nach der Entsendung syrischer Regierungstruppen gegen den Angriff der Türkei kämpfen diese laut Aktivisten nun "gemeinsam" mit kurdischen Kräften gegen die protürkischen Milizen in Nordsyrien. Am Mittwoch lieferten sich die syrische Armee und die kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) "heftige Gefechte" mit den syrisch-arabischen Milizen, die auf Seiten der Türkei kämpfen, so Beobachter.

Bei dem Angriff im Nordosten Syriens tötete die türkische Armee mindestens zwei Soldaten der syrischen Regierungstruppen und verletzte weitere von ihnen. Türkische Truppen und deren Verbündete hätten in der Nacht auf Mittwoch ein Gebiet östlich der Stadt Ain Issa unter Beschuss genommen, teilte die "Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte" mit.

Eine türkische Granate sei dabei in einem Posten der syrischen Truppen eingeschlagen. Die Regierungen in Ankara und Damaskus äußerten sich zunächst nicht zu dem Angriff. Bei dem Angriff wurden den Aktivisten zufolge auch neun Kämpfer der von Kurdenmilizen angeführten Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) und 21 der von der Türkei unterstützten Rebellen getötet.

Die Verwaltung der kurdischen Autonomieregion hatte am Sonntag angesichts der türkischen Offensive die Truppen des syrischen Machthabers Bashar al-Assad zu Hilfe gerufen. Assad hatte 2012 seine Truppen aus dem kurdischen Nordosten abgezogen und hingenommen, dass die Kurden unter Führung der Partei der Demokratischen Union (PYD) eine eigene Verwaltung mit eigenen Schulen und Sicherheitskräften aufbauten.

Die Rückkehr von Assads Truppen signalisiert nun das Ende der kurdischen Autonomie und bedeutet einen wichtigen Wendepunkt in dem mehr als achtjährigen Bürgerkrieg. Vermittelt wurde die Einigung zwischen der kurdischen Selbstverwaltung und der Zentralregierung durch Russland, das auf seinem Stützpunkt Hmeimim Vertreter beider Seiten zu Verhandlungen empfing. Moskau unterstützt Assad seit Jahren gegen die Rebellen.

Die türkische Offensive gegen die kurdischen Kräfte wurde ermöglicht durch den Abzug der US-Truppen, die sie im Kampf gegen die Jihadisten unterstützt hatten. Nach der Räumung der US-Stützpunkte in der strategisch wichtigen Stadt Manbij rückten die syrischen Regierungstruppen dort ein. Die russische Militärpolizei patrouillierte entlang der Frontlinie, um Zusammenstöße mit den protürkischen Milizen zu verhindern.

Der Abzug der US-Truppen und die Rückkehr der Regierungstruppen in den Norden ist ein Erfolg für Moskau. Direkte Kämpfe zwischen der syrischen Armee und den türkischen Truppen würden Russland aber in eine schwierige Lage bringen, sagt der Militärexperte Alexej Malaschenko. Denn dann müsste Russland entweder Assad fallen lassen oder ihn gegen die Türkei unterstützen, was das Ende der Freundschaft mit Ankara bedeuten würde.

Russland dringt auf eine Vereinbarung zwischen der syrischen Regierung und den Kurden über die Sicherheit im Nordosten des Landes. Zugleich gab Außenminister Sergej Lawrow am Mittwoch den Europäern und den USA eine Mitverantwortung für den Konflikt in der Region.

Das Verhalten der westlichen Koalition treibe die syrischen Kurden zum Separatismus, sagte Lawrow der Nachrichtenagentur RIA zufolge in Sotschi am Schwarzen Meer. Vor einer Woche hatte die Türkei ihre Offensive gegen die Kurden-Miliz YPG begonnen, die das von den USA bisher unterstützte Rebellenbündnis SDF anführt. Der Abzug der US-Soldaten von zwei Beobachterposten im Nordosten Syriens hatte den Weg frei gemacht für den Angriff. Die USA haben auch den Abzug der restlichen 1.000 Soldaten aus Nordsyrien angekündigt.

Lawrow sagte, die türkische Offensive habe es mehreren Kämpfern der radikal-islamischen IS-Miliz ermöglicht, aus von den Syrischen Demokratischen Streitkräften (SDF) bewachten Gefangenenlagern zu fliehen. Nun könnten sie sich in alle Welt zerstreuen.

Die Türkei will auf syrischem Boden eine 30 Kilometer breite sogenannte Sicherheitszone errichten und die Kurden-Miliz YPG zum Abzug aus dem Gebiet zwingen. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan betrachtet die YPG als Ableger der in der Türkei verbotenen Kurdischen Arbeiterpartei PKK und damit als Terrororganisation. Die türkische Militäroffensive stößt international auf Kritik. Forderungen der EU, den Vormarsch sofort zu beenden, wies Erdogan ebenso zurück wie den von US-Präsident Donald Trump verlangten Waffenstillstand. Die Türkei könne niemals eine Waffenruhe ausrufen, US-Sanktionen bereiteten ihm keine Sorgen, sagte Erdogan. Er werde auch weiterhin "nicht mit einer terroristischen Organisation" verhandeln.

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