"Tag des Lärms" - Wildtier-Kommunikation leidet

Flugverkehr und Co lassen immer mehr ruhige Orte verschwinden
Flugzeuge, Bauaktivitäten oder Tiefseebohrungen: Die Welt wird lauter, worunter die akustische Kommunikation von Wildtieren stark leidet. Sie "überhören" Feinde, haben ein erhöhtes Stresslevel und Probleme bei der Nahrungssuche, was auch zur Abnahme von Populationen führen kann, erklärte Angela Stöger vom Institut für Schallforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) anlässlich des Internationalen "Tag gegen Lärm" am 24. April.

"Wir dürfen nicht vergessen, dass der Schall das universellste Kommunikationsmittel im Tierreich ist - vom Insekt über den Fisch bis zu den Vögeln. Allerdings ist es inzwischen schwer geworden, ruhige Orte auf dieser Welt zu finden", so die Biologin im Gespräch mit der APA. Akustische Umweltverschmutzung erhöhe bei Tieren die Herzfrequenz und könne Verhaltensänderungen, Gehörschäden, Flucht und Vertreibung zur Folge haben. Zudem störe Lärm auch die Kommunikation von Individuen innerhalb einer Art und zwischen den Arten.

Man habe beispielsweise festgestellt, dass manche Vogelarten im urbanen Umfeld um bis zu 14 Dezibel lauter singen. "Das ist für einen kleinen Vogelkörper ein sehr viel höherer Energieaufwand", sagte Stöger. Manche Tiere würden auch die Frequenz ändern, in der sie kommunizieren. Generell sei Lärm ein gewisser Stressfaktor, der sich negativ auf das Immunsystem auswirke, "was tatsächlich zur Abnahme von Populationen führen kann". Tiere, die aus einer Winterruhe aufgeschreckt werden und auf Sparflamme agieren müssten, würden oft nicht überleben. Auch "überhörte" Alarmrufe von Artgenossen könnten naturgemäß negative Folgen haben.

Besonders betroffen seien Tiere im Meer, wie Wale oder Delfine, aber auch Fische, weil sich Schall im Wasser aufgrund der Dichte des Mediums weit ausbreite. Sie seien wegen der eingeschränkten Sicht stark auf die akustische Kommunikation angewiesen. Neben der Orientierung würden permanenter Schiffslärm und Ölbohrungen auch einen negativen Einfluss auf Partnersuche und Partnerwahl haben. "Das Meer ist einfach sehr, sehr laut geworden", so Stöger, deren Buch "Elefanten. Ihre Weisheit, ihre Sprache und ihr soziales Miteinander" (Brandstätter) kürzlich als eines der Wissenschaftsbücher des Jahres ausgezeichnet wurde.

Sie plädiert für eine größere Rücksichtnahme durch den Menschen, etwa nicht so tief in die Lebensräume der Wildtiere vorzudringen oder einen Verzicht auf Feuerwerke. Nicht vergessen werden dürfe, dass Tiere zum Teil andere Frequenzbereiche nutzen. "Unsere Wahrnehmung ist nicht die einzige Wahrnehmung. Es gibt Tiere, die im Ultraschallbereich hören und Tiere, die im Infraschallbereich hören", erklärte die Expertin, die seit Jahren die akustische Kommunikation von Wildtieren in europäischen Zoos und in der afrikanischen Savanne erforscht.

Am 24. April, dem Internationalen "Tag gegen Lärm", werden ihre und viele weitere Forschungen am Institut für Schallforschung bei einem "Open House" der Öffentlichkeit vorgestellt. Von 15.00 bis 20.00 Uhr kann dort ausprobiert werden, ob man Kaufhausmusik oder Kirchenglocken als wenig oder sehr lästig empfindet und wie man etwa das Meidlinger "L" ausspricht.

(S E R V I C E - Informationen zum "Tag gegen Lärm" an der ÖAW: www.oeaw.ac.at/isf/tgl24)

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