Theatermuseum holt "Mode für die Bühne" vor den Vorhang

Zallingers Entwurf für "Eine Nacht in Venedig" an der Wiener Volksoper, 1989
Altgediente Theaterfreunde sind ihrer Arbeit wohl schon begegnet - ihren Namen dürften bisher aber die wenigsten gehört haben: Monika von Zallinger hat als Kostümbildnerin bei bedeutenden Inszenierungen u.a. am Burgtheater, der Volksoper oder am Theater in der Josefstadt mitgewirkt. Unter dem Titel "Mode für die Bühne" lädt das Theatermuseum nun dazu ein, das Schaffen der Zeichnerin und damit eine weitgehend unterbelichtete Kunstgattung des Theaterbetriebs kennenzulernen.

Zallinger wurde 1940 in München geboren, wuchs dort sowie in Salzburg und Wien auf und studierte zunächst Gebrauchsgrafik an der Münchner Akademie der Bildenden Künste. Ab den frühen 1960er-Jahren verlagerte die freischaffende Künstlerin ihren beruflichen Schwerpunkt zunehmend auf das Kostümbild. Vor zwei Jahren schenkte sie dem Theatermuseum etwa 400 Blätter. Ausgestellt werden etwa 100 davon, die sich wiederum auf 13 für die Schau ausgewählte in- und ausländische Produktionen zwischen 1966 ("Die Zaubergeige" von Werner Egk an der Bayrischen Staatsoper) bis 2001 ("Katzenzungen" von Miguel Mihura an den Kammerspielen unter der Regie von Elfriede Ott) beziehen. Museumsdirektorin Marie-Theres Arnbom freute sich beim Pressegespräch am Donnerstag, dass man nun eine noch lebende Künstlerin würdigt - was leider viel zu selten passiere.

Bei der Präsentation im Erdgeschoß sollten die Arbeiten ihren Ateliercharakter beibehalten, weshalb sie ohne Rahmen gezeigt werden. Anders als die üblichen einzelnen Darstellungen steifer Figurinen im Kleinformat versammelt Zallinger farbenfrohe Figurengruppen auf großen Blättern, die oft interagieren oder sich in Bewegung zu befinden scheinen, erklärte Kurator Rudi Risatti - er hat die Ausstellung gemeinsam mit der Künstlerin konzipiert - die Besonderheit des Werkes. Das ergebe "ganze Tableaus, die den Geist der Inszenierung, der Regie in sich tragen", so Risatti.

Zallinger selbst gab heute Einblicke in ihre "sehr aufwändige Arbeit", erzählte von monatelangen Vorbereitungen teils noch ohne Regieeinbindung, von Stoffeinkäufen in aller Welt und den vielen zu beachteten Details: "Ich habe bis zu jedem Schuhband alles ausgesucht." Einem Regisseur habe sie sich in Sachen Kostümdesign nie untergeordnet, versprühte Zallinger Standfestigkeit: "Man beugt sich nicht, man arbeitet zusammen." Auch habe es immer wieder auch Sonderwünsche aus den Ensembles gegeben, nachgekommen sei sie diesen aber nie: "Natürlich sind manche Kleider unbequem, eng, heiß, aber man muss die Schauspieler überzeugen."

Obwohl ihr Beruf sie auch nach Athen, Amsterdam, Mailand, Bern oder Venedig führte, konzentrieren sich die präsentierten Entwürfe auf Aufführungen im deutschsprachigen Raum - von Mozarts "Hochzeit des Figaro" an der Dresdner Semperoper (1995) über Tankred Dorsts "Schattenlinie" am Wiener Akademietheater (1995) bis zur zeitgenössischen Oper "Daniel" des in Tirol geborenen Komponisten Paul Engel am Münchner Staatstheater am Gärtnerplatz in München (1994). Bei gleich drei der 13 Inszenierungen führte Otto Schenk Regie - bei Offenbachs "Hofmanns Erzählungen" an der Bayrischen Staatsoper (1986), Schnitzlers "Reigen" an der Josefstadt (1989) und "Eine Nacht in Venedig" an der Wiener Volksoper (1989), wofür übrigens Xenia Hausner damals das Bühnenbild schuf.

Um die Präsentation etwas lebendiger zu gestalten, treten einige Figuren gewissermaßen aus den Zeichnungen heraus. Sie wurden als lebensgroße Aufsteller in der Raummitte platziert. Begleitet wird der Besuch von Musikstücken, die sich auf die Stückauswahl beziehen. Auf textile Objekte habe man in der Schau bewusst verzichtet, meinte der Kurator: "Wir sind in der Dimension des Flachen, des Papiers geblieben, um die schöpferische Kraft der Kostümzeichnung zu unterstreichen." Wer trotzdem sehen möchte, wie Zallingers Kostüme auf der Bühne ausgesehen haben, ist mit der Fotowand vor dem Ausstellungsraum gut bedient. Zallinger selbst hat beim eigentlichen Schneidern ihrer Entwürfe übrigens selbst nie Hand angelegt: "Ich kann keinen einzigen Stich nähen."

(S E R V I C E - "Mode für die Bühne. Monika von Zallinger. Kostümzeichnungen" im Theatermuseum Wien, ab Freitag und bis 6. November, www.theatermuseum.at)

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