APA - Austria Presse Agentur

Tiroler AK-Wahl mit Zangerl und sechs Herausforderern

Die Tiroler Arbeiterkammerwahl vom 29. Jänner bis zum 8. Februar ist ein Kampf von sechs - mal mehr, mal weniger starken - "Davids" gegen einen "Goliath". Letzterer ist der schwarze Arbeiterkammerpräsident und Gelegenheits-ÖVP-"Rebell" Erwin Zangerl, der mit seiner Liste "AAB-FCG" aktuell 45 der 70 Kammerräte stellt und 61,4 Prozent vom letzten Urnengang 2019 zu verteidigen hat. Den haushohen Favoriten fordern unter anderem eine rote, blaue und grüne Liste heraus.

Genauer gesagt handelt es sich dabei um die "FSG Tirol - Fraktion sozialdemokratischer Gewerkschafter:innen" mit Spitzenkandidat Bernhard Höfler (2019: 19,7 Prozent/14 Mandate), die "FPÖ - die soziale Heimatpartei / FPÖ" (2019: 8,7 Prozent/sechs Mandate) mit Frontmann, Landesparteigeneralsekretär und Landtagsabgeordneter Patrick Haslwanter und "Gemeinsam - Grüne in der AK & AUGE/UG (2019: 7,1 Prozent/fünf Mandate) mit Spitzenkandidatin Daniela Weissenbacher. Diese drei verfügen somit - neben der Zangerl-Liste - über Mandate in der aus den Kammerräten bestehenden Tiroler AK-Vollversammlung. Komplettiert wird der Stimmzettel durch "PFG - Deine parteifreie Interessenvertretung", die "Kommunistische Liste / KL" und die "Gewerkschaftliche Linke / GL".

Zangerls Liste hatte nach der Wahl 2019 neben dem Präsidenten weiterhin alle drei Vizepräsidenten und weitere vier Vorstandsmitglieder gestellt. Die FSG blieb mit zwei Mitgliedern im Vorstand vertreten. Die Freiheitlichen erreichten ein Mandat, die Grünen schieden aus dem Gremium aus.

Der Wahlkampf verlief bisher recht ruhig, Frontalangriffe der Herausforderer auf den übermächtigen, seit 2008 der AK vorstehenden Zangerl blieben großteils aus - auch vonseiten der FPÖ, die in früheren Zeiten schon einmal lautstark gegen vermeintliche und tatsächliche "Privilegien" von Kammeroberen zu Felde zog. Die Wahlwerber waren sich bei den Sachthemen bzw. Forderungen an die Politik in weiten Teilen recht einig.

Der 66-jährige Politfuchs Zangerl stellt sich zum letzten Mal der Wahl, wie er angekündigt hatte. Die Wahlwerbung ist ganz auf den AK-Landesfürsten zugeschnitten. Ein knappes, mit roten Lettern versehenes "Der Erwin" (mit schwarz eingefärbtem "Er") prangt auf den zahlreichen Zangerl-Wahlplakaten landesweit. Den Wahlkampf hat der AK-Chef quasi schon seit langem aufbereitet, ohne klassisch wahlzukämpfen. Indem er sich nämlich in den landeseigenen Energieversorger Tiwag ob dessen Preis- und Unternehmenspolitik verbiss, das Landesunternehmen sogar verklagte und so seine Parteifreunde in der Landesregierung sowie die Landesopposition (zuletzt mit der Forderung nach einem Tiwag-U-Ausschuss) zeitweise vor sich herzutreiben schien. Der AK-Präsident als vermeintlicher öffentlichkeitsbewusster "Robin Hood" und Parteirebell - einen Ball, den Zangerl von seinem Vorgänger Fritz Dinkhauser volley übernahm und ebenfalls perfektionierte.

Als Wahlziel gab der Schwarze ein "Halten" des Ergebnisses aus dem Jahr 2019 aus. Seine drei wesentlichen Herausforderer wollen zum Teil deutlich zulegen, wie sie bekundeten. Die Grünen vor allem wieder in den AK-Vorstand einziehen.

Interessant wird zu beobachten sein, wie hoch die Wahlbeteiligung diesmal ausfällt. 2019 war sie auf dramatisch niedrige 33,6 Prozent gesunken.

Die rund 285.000 Wahlberechtigten bzw. Mitglieder entscheiden über die Zusammensetzung der Vollversammlung der Tiroler Arbeiterkammer. Die Vollversammlung wählt dann den Präsidenten, die Vizepräsidenten, den Vorstand und den Kontrollausschuss.