APA - Austria Presse Agentur

Tiroler Herzchirurgin plädiert für mehr "Aorta-Zentren"

Die an der Medizinischen Universität Innsbruck tätige Herzchirurgin Julia Dumfarth plädiert nach der Einstufung der Aorta als eigenständiges Organ für die vermehrte Durchführung von Aorta-Eingriffen und -Behandlungen in eigenen "Aorta-Zentren". Dadurch, dass die Hauptschlagader nunmehr als ein Organ gelte - wie etwa Herz oder Lunge - würden sich nämlich ganz neue Behandlungsansätze und Umgangsweisen mit der Aorta ergeben, argumentierte Dumfarth im APA-Gespräch.

"Fachübergreifend und interdisziplinär arbeiten" sei jedenfalls das Gebot der Stunde: "Das gelingt natürlich am besten in Aorta-Zentren", hielt Dumfarth fest. Solche gebe es zwar vereinzelt bereits, sie fordere und erwarte aber auch, dass in den nächsten Jahren noch weit mehr solcher Zentren etabliert werden. Zudem sollen die bereits vorhandenen noch "deutlich gestärkt werden," ergänzte sie ihre Forderung. "Die Aorten-Medizin wird künftig schlicht unterschiedlichste Personen brauchen, wie etwa Herzchirurgen, Radiologen, Anästhesisten, Genetiker", strich die Medizinerin heraus.

Eine solche Zusammenarbeit habe es zwar zum Teil bereits gegeben, sie werde aber in naher Zukunft nach den neuen Aorta-Erkenntnissen eine noch weit gewichtigere Rolle spielen, war sich Dumfarth sicher. Durch die stärkere Zusammenarbeit der Disziplinen werde laut ihr aber vor allem eines möglich: "Wir können aus medizinischer Sicht betrachtet deutlich stärker und präziser personalisiert agieren und behandeln", so die Herzchirurgin.

Es gebe damit endgültig keinen "08/15 Patienten mehr", sondern es müsse beispielsweise - abhängig etwa von Körpergröße, Geschlecht und Genetik - ganz unterschiedlich behandelt und vorgegangen werden. Auch neue "Therapiestrategien", ließe sich aus dieser Personalisierung ableiten, sagte sie.

Der entscheidende Durchbruch, der die Aorta vom Gefäßsystem zum eigenständigen Organ "machte" und damit die Türen für neuen Behandlungsstrategien aufstieß, sei dabei von der Europäischen Gesellschaft für Herz-Thorax-Chirurgie (EACTS) und der US-amerikanischen Society of Thoracic Surgeons (STS) ausgegangen, erklärte Dumfarth. Deren im Februar publizierten "Guidelines" für Aortenchirurgie, die von rund 25 amerikanischen und europäischen Autoren verfasst wurden und auch Beiträge der Medizinischen Universität Innsbruck beinhalten, seien nunmehr - neben der Bestätigung des neuen Status der Aorta - als "wichtige Empfehlungen" für den "klinischen Alltag" auszulegen, so Dumfarth.

Daraus ließen sich jedenfalls "konkrete Empfehlungen" ableiten, die positive und wichtige Veränderungen in der Aorta-Behandlung nach sich zögen. "Es ergibt sich etwa die Empfehlung, dass man Aorten-Teams formieren und etablieren soll", so die aus Linz stammende Herzchirurgin. Zudem gehe es damit stark weg vom "segmentalen Denken" und verstärkt hin zu und "ganzheitlichen Behandlungsmethoden".