Trump macht statt Galadinner der Hauptstadtpresse Wahlkampf

US-Präsident Donald Trump macht dem Galadinner der Hauptstadtpresse in Washington mit einer Wahlkampfveranstaltung im Bundesstaat Wisconsin Konkurrenz. Trumps Wahlkampfteam kündigte am Dienstag einen Auftritt Trumps am 27. April in Green Bay an, rund 1100 Kilometer von Washington entfernt.

Die Veranstaltung soll eine halbe Stunde nach dem Abendessen in Washington beginnen. Trump hatte kürzlich bereits angekündigt, dass er nicht an dem Galadinner teilnehmen werde, das er "so langweilig und so negativ" nannte.

Trump war der Veranstaltung schon in den vergangenen zwei Jahren ferngeblieben. Der Präsident wirft Medien regelmäßig vor, gezielt Falschmeldungen zu verbreiten, und bezeichnet Journalisten als "Feinde des Volkes". Das Galadinner wird von der "White House Correspondents' Association" organisiert, einer Vereinigung von Journalisten, die über das Weiße Haus berichten.

Im vergangenen Jahr hatte der Auftritt der Kabarettistin Michelle Wolf für eine Kontroverse gesorgt. Wolf hatte in ihrer Rede vor allem die jüngsten Affären von Trump und seiner Regierung aufs Korn genommen und die Sprecherin des Weißen Hauses, Sarah Sanders, verbal heftig attackiert. Kritiker meinten, Wolf sei mit ihren Rundumschlägen zu weit gegangen. Die Veranstalter strichen schließlich die komödiantische Einlage. Stattdessen soll diesmal der Biograf Ron Chernow eine Rede halten, der sich unter anderem mit Büchern über Präsidenten und Staatsmänner einen Namen gemacht hat.

Unter Trumps Vorgängern galt das Galadinner als einer der Höhepunkte des politischen Jahres in Washington, da jeweils die Präsidenten selbst eine launige Festrede hielten. Sie nahmen dabei sich selbst, aber auch Kollegen und Journalisten auf die Schaufel. Zum Objekt des präsidialen Spotts wurde im Jahr 2011 Trump selbst. Nachdem dieser von Barack Obama einen "Beweis" für dessen amerikanische Geburt gefordert hatte, tischte der US-Präsident zum Gaudium der Festgäste ein "offizielles Geburtsvideo" auf: Eine Szene aus dem Zeichentrickfilm "König der Löwen", in der ein kenianischer Löwe seinen Sohn Simba präsentiert. Dem Vernehmen nach dürfte die öffentliche Demütigung Trumps Ambitionen, Obama als Präsident nachzufolgen, befördert haben.

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