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Trump warnt vor "Chaos" und "sehr schlimmen Dingen" nach US-Wahl

Im Wahlkampf-Endspurt hat US-Präsident Donald Trump die Furcht vor möglichen Unruhen nach der Präsidentschaftswahl geschürt.

Warnung vor "Chaos" und "sehr schlimmen Dingen": Falls nicht schnell ein klarer Wahlsieger feststehe, könnte "Chaos in unserem Land" ausbrechen, sagte er bei einer Kundgebung im US-Bundesstaat Pennsylvania am Samstag. Derweil traten Ex-Präsident Barack Obama und Trumps Herausforderer Joe Biden erstmals gemeinsam im Wahlkampf auf.

In den Wochen bis zur möglichen Ausrufung des Endergebnisses könnten "sehr schlimme Dinge" passieren, mahnte Trump, der am Wochenende einen Kampagnen-Marathon absolvierte. Am Samstag brachte er vier Auftritte im umkämpften Staat Pennsylvania hinter sich, am Sonntag wollte er fünf Auftritte in ebenso vielen Bundesstaaten absolvieren. Für Montag waren fünf Wahlkampfveranstaltungen in vier Staaten beplant. Biden wollte sich am Sonntag auf Pennsylvania konzentrieren.

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In einem am Sonntag in der Früh verbreiteten Tweet zeigte sich der Amtsinhaber trotz schlechter Umfragewerte siegessicher. "Unsere Zahlen sehen überall SEHR gut aus", schrieb er. "Sleepy Joe beginnt bereits damit, sich aus bestimmten Bundesstaaten zurückzuziehen. Die radikale Linke geht unter!"

Biden konterte mit einem schlichten Wahlaufruf an die Bürger und einem augenzwinkerndem Posting, in dem er sich als Hundeliebhaber in Szene setzte. "Bringen wir die Hunde zurück ins Weiße Haus", schrieb Biden mit Blick auf Trump, der als erster US-Präsident seit Jahrzehnten kein Haustier hat.

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Die Präsidentschaftswahl am 3. November findet in einem politisch aufgeheizten Klima statt. Die Polizei bereitet sich auf Ausschreitungen nach der Wahl vor - in einigen Regionen sind die Waffenverkäufe angestiegen. In mehreren Städten, darunter Washington, verrammelten Geschäftsleute bereits ihre Läden aus Furcht vor Unruhen.

Für Aufsehen sorgte am Freitag ein Vorfall in Texas, wo Dutzende Trump-Anhänger in Autos und Pickups einen Kampagnenbus Bidens auf der Autobahn bedrängten. Während die US-Bundespolizei FBI Ermittlungen aufnahm und die Biden-Kampagne mehrere Veranstaltungen absagte, verbreitete Trump am Samstag ein Video des Vorfalls mit den Worten "ICH LIEBE TEXAS!" Bei den texanischen Republikanern liegen derzeit die Nerven blank, weil Umfragen einen Sieg Bidens in der bisherigen roten Hochburg möglich erscheinen lassen.

Die Republikaner kämpfen vor diesem Hintergrund auch mit juristischen Mitteln gegen die Briefwahl an. So setzte ein Bundesrichter für Montag eine Dringlichkeitsanhörung über die Gültigkeit von 100.000 abgegebenen Stimmen an. Es geht um die Frage, ob die Behörden in Houston unrechtmäßig sogenannte Drive-Through-Abstimmungen erlaubt haben, bei denen Wähler aus dem Auto heraus ihre Wahlzettel in entsprechende Urnen werfen können.

Trumps demokratischer Konkurrent Biden erhielt am Samstag Unterstützung von Ex-Präsident Obama bei Wahlkampfauftritten in den Städten Flint und Detroit im Bundesstaat Michigan. Der versierte Wahlkämpfer Obama stand erstmals mit seinem ehemaligen Vizepräsidenten auf der Bühne.

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Dabei kritisierte der Ex-Präsident erneut Trumps Umgang mit der Corona-Pandemie. 140.000 Leben von US-Bürgern hätten gerettet werden können, wenn der Präsident einen ähnlichen Ansatz zur Bekämpfung der Pandemie gewählt hätte wie Kanada, erklärte Obama. "Das ist kein Sport-Event. Es geht um Leben und Tod", fügte er hinzu.

Biden warf Trump einen Mangel an Verantwortungsbewusstsein vor. "Wir haben genug von dem Chaos, den Tweets, der Wut, dem Versagen, der Weigerung, Verantwortung zu übernehmen", erklärte der Präsidentschaftskandidat.

Im Wahlkampf-Endspurt hat sich vor allem Trump ein straffes Pensum vorgenommen: Am Sonntag wurde er bei Kundgebungen in fünf Schlüsselstaaten erwartet. In Michigan, Iowa, North Carolina, Georgia und Florida kämpfte er um noch unentschlossene Wähler, während Biden sich auf Pennsylvania konzentrierte. Allein in diesem sogenannten Swing State könnte sich der 77-Jährige 20 Wahlmännerstimmen holen - einen beträchtlichen Anteil der 270 Stimmen, die er für den Einzug ins Weiße Haus benötigt. Trump siegte vor vier Jahren in Pennsylvania mit hauchdünnem Vorsprung vor seiner Herausforderin Hillary Clinton.

Bereits vor der Abstimmung am Dienstag hat landesweit bereits eine Rekordzahl von mehr als 92 Millionen Wählern ihre Stimme abgegeben. Das sogenannte Early Voting kommt nach Aussagen von Experten dem demokratischen Herausforderer zugute. Der Ansturm ist in diesem Jahr unter anderem wegen der Corona-Pandemie gewaltig. Die bislang abgegebenen Stimmen entsprechen nach Angaben des US Elections Project der Universität von Florida fast 67 Prozent aller insgesamt bei der letzten Präsidentschaftswahl abgegebenen Stimmen.

Gemessen an den absoluten Fallzahlen sind die USA das am schwersten von der Corona-Pandemie betroffene Land der Welt. Mehr als 230.500 Menschen starben in den Vereinigten Staaten bereits an den Folgen der Viruserkrankung Covid-19. Zuletzt breitete sich das neuartige Virus vor allem im Norden und Mittleren Westen der USA stark aus.