US-Philosophin Seyla Benhabib erhält Theodor-W.-Adorno-Preis

Vom Friedenspreis zum Adorno-Preis: Seyla Benhabib 2016 in Frankfurt
Die 1950 in Istanbul geborene US-amerikanische Philosophin Seyla Benhabib erhält den Theodor-W.-Adorno-Preis 2024. Die Politikwissenschafterin sei "eine der international bedeutendsten Denkerinnen in der Tradition der Kritischen Theorie", teilte die Stadt Frankfurt am Donnerstag zur Begründung mit. Das von ihr entwickelte diskursethische Instrumentarium diene dazu, Gegensätze zu überwinden.

"Im Sinne eines moralischen Universalismus im Anschluss an Kant untersucht Benhabib Fragen zum Spannungsverhältnis von staatlicher Souveränität und Globalisierung. Dabei hält sie in kritisch-emanzipatorischer Absicht am Konzept universaler Menschenrechte und an der Idee des Kosmopolitischen fest", heißt es in der Begründung.

Seyla Benhabib studierte unter anderem in Yale, wo sie 1977 mit einer Arbeit zu Hegels Rechtsphilosophie promovierte. Sie hatte Professuren in Harvard und an der New School for Social Research in New York inne, bevor sie 2001 an die Yale University berufen wurde. Zu ihren in deutscher Übersetzung erschienenen Werken zählen "Selbst im Kontext" (1995), "Hannah Arendt. Die melancholische Denkerin der Moderne" (1998), "Die Rechte der Anderen" (2008), "Kosmopolitismus ohne Illusionen: Menschenrechte in unruhigen Zeiten" (2016) und "Kosmopolitismus im Wandel. Zwischen Demos, Kosmos und Globus" (2024).

Die mit 50.000 Euro dotierte Auszeichnung wird alle drei Jahre von der Stadt Frankfurt am Main zum Gedenken an den Philosophen Theodor W. Adorno vergeben und dient der Förderung und Anerkennung hervorragender Leistungen in den Bereichen Philosophie, Musik, Theater und Film. Frühere Preisträgerinnen und Preisträger waren etwa Klaus Theweleit (2021), Margarethe von Trotta (2018) und Judith Butler (2012). Der erste Preisträger war im Jahr 1977 der Soziologe Norbert Elias.

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