APA - Austria Presse Agentur

Verstorbener steirischer Bischof Weber beigesetzt

Der im 94. Lebensjahr verstorbene frühere steirische Diözesanbischof Johann Weber ist am Mittwoch im Grazer Dom zur letzten Ruhe gebettet worden. Im Trauergottesdienst würdigten ihn u.a. Kardinal Christoph Schönborn ("Weber setzte auf Dialog"), ÖVP-LH Hermann Schützenhöfer ("Ein Gottesgeschenk") und der jetzige Diözesanbischof Wilhelm Krautwaschl ("Ein gutes Stück Kirchen- und Glaubensgeschichte").

Rund 270 Gäste befanden sich beim Requiem im Grazer Dom. Der in der Nacht auf den 23. Mai im LKH Graz verstorbene Weber hatte sich eigentlich ein "Volksbegräbnis" mit möglichst vielen Besuchern gewünscht. Doch wegen der Anti-Coronavirus-Maßnahmen musste davon abgesehen werden.

Der Salzburger Bischof Franz Lackner, gebürtiger Steirer, sagte als erster der Trauerredner: "Wir nehmen Abschied von einem großen Hirten, einem Mann aus dem Volk und für das Volk, er liebte das Volk, hörte seine Stimme und wollte seine Stimme sein. Alles Starre und Strenge war ihm fremd. In seiner Hirtensorge ist er großes Beispiel und Vorbild."

Krautwaschl - vor 20 Jahren von Weber zum Priester geweiht, vor fünf Jahren war er Nach-Nachfolger Webers geworden - schilderte, dass Weber bei einem von Krautwaschls letzten Besuchen noch das Land Steiermark gesegnet hatte. Es seien viele kleine Geschichten wie diese, die Weber ausmachten. Seine vermittelnde Art habe sich oft als entkrampfend erwiesen. Er sei davon beseelt gewesen, Einheit zu stiften. "Ein gutes Stück Kirchen- und Glaubensgeschichte hat in Bischof Johann einen Zeugen verloren. Vertrauen hat eben einen längeren Atem als die Angst", schloss Krautwaschl.

Bei den Fürbitten sprach auch Webers Neffe Klaus: "Lass seine Liebe und die Sorge um die Schwachen in uns allen weiterhin wachsen." Vertreterinnen des Welthauses, der katholischen Arbeiterjugend und der Caritas - alles Bereiche, die Weber förderte und die ihm ein Anliegen waren - sagten u.a.: "Es war das Motto des Bischofs: Den Armen die frohe Botschaft bringen. Herzensgüte, das fällt mir ein, wenn ich an unseren Bischof Johann denke."

Andrea Ederer, Präsidentin der Katholischen Aktion Steiermark, würdigte Webers Einsatz für den Dialog für Österreich: "Ein Bischof hat viele Seiten zu hören." Bewundernswert sei u.a. sein gutes Gedächtnis gewesen, in vielen Ideen und Taten war Weber laut Ederer seiner Kirche voraus gewesen. Der evangelische Superintendent Wolfgang Rehner hob Weber als Wegbereiter der Ökumene in der Steiermark hervor.

ÖVP-LH Hermann Schützenhöfer sagte in seiner Trauerrede, er erinnere sich, als ob es gestern gewesen sei, als er als 18-jähriger Funktionär den Bischof kennengelernt habe: "Seine ansteckende Fröhlichkeit, heitere Gelassenheit und seinen Mut, die Kirche in den Aufbruch zu führen. Weber habe viele Auf- und Umbrüche in der Politik und in der Kirche erlebt. Er war mir und ganzen Generationen dieses Landes ein väterlicher Ratgeber und Hirte, dem wir zu großem Dank verpflichtet sind. Er konnte den Glauben in die heutige Zeit übersetzen. Herr Bischof, Sie waren ein Gottesgeschenk", schloss der sichtlich bewegte Landeshauptmann.

Kardinal Christoph Schönborn, Kaplan in der Grazer Hochschulgemeinde, habe Weber als ersten Bischof persönlich kennengelernt: "Ich halte fest: Er hat mein Bild des Bischofs entscheidend geprägt. Die Menschen in der Steiermark haben in ihm den Bischof gesehen. Dieses Vorbild ist nicht aus den Augen zu verlieren." 1995, im laut Schönborn Annus horribilis der Kirche Österreichs (die Affäre Hans Hermann Groer, Anm.) habe man dann Weber zu Groers Nachfolger als Vorsitzender der Bischofskonferenz gewählt. "Und wir haben erlebt, wie er nicht nur uns, sondern auch die Kirche zusammengehalten hat", so der Kardinal. Als die Kirche schon fast gespalten war, habe Weber auf Dialog gesetzt." 22 Jahre sei er, Schönborn, nun Nachfolger Webers an der Spitze der Bischofskonferenz, und es sei nun an der Zeit, auch für sich einen Nachfolger zu suchen, sagte Schönborn. "Ruhe in Frieden, danke, Bischof Johann."

Die anschließende Verabschiedung Webers leitete sein Wegbegleiter und Freund, Prälat Leopold Städtler. Unter den Trauergästen waren u.a. auch die Spitzen des Landes Steiermark, Grünen-Umweltministerin Leonore Gewessler, eine Steirerin, und Alt-LH Waltraud Klasnic (ÖVP). In den späten Nachmittagsstunden wurde der Sarg mit der sterblichen Hülle Webers zur letzten Ruhestätte in die Bischofsgruft des Doms gebracht.

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