APA - Austria Presse Agentur

Vienna Art Week heuer mit Aufbruchstimmung im Abbruchhaus

Leicht ist die Zentrale der diesjährigen Vienna Art Week, die heute, Freitag, startet, nicht zu finden. Auf dem unscheinbaren und unansehnlichen Bürohaus auf der Wiedner Hauptstraße 140 hängt nur klein ein Banner, der auf die 18. Ausgabe der Initiative hinweist. Deutlich größer auf der Fassade prangt der Hinweis: "Neue Eigentumswohnungen. Jetzt vormerken." Zuletzt war die Caritas hier einer der Mieter. Nun bespielt die Hauptausstellung der Vienna Art Week das Haus.

"Es wird alles hier zerstört. Noch im Dezember soll es losgehen", sagte der künstlerische Leiter Robert Punkenhofer bei der Pressekonferenz am Vormittag. Die letzten Wochen vor dem Abbruch nutzt man auf drei Stockwerken und insgesamt 1.000 Quadratmetern, um in dem "House of Challenging Orders" 40 nationalen und internationalen Künstlern und Künstlerinnen Gelegenheit zu geben, "bestehende Ordnungen, Kanons und Systeme zu hinterfragen und unsere Meinungen und Vorstellungen zu überdenken". Man habe das Thema der "Challenging Orders" bereits Anfang des Jahres festgelegt, sagte Kuratorin Julia Hartmann. "Da wussten wir noch nichts von den aktuellen Entwicklungen in der Ukraine und dem Iran."

Wie stets bei der künstlerischen Nutzung leer stehender Gebäude entfalten auch die vielseitig bespielten kleinen und bereits weitgehend leeren Räume eine Aura, der man sich schwer entziehen kann. Videos und Installationen dominieren. "Ich glaube, wir haben es geschafft, einen guten Mix aus Ernsthaftigkeit und ästhetischer Vielfalt zu präsentieren", meinte Hartmann. Die Umweltkrise und ihre Herausforderungen an die Gesellschaft sind (etwa bei dem Österreicher Oliver Ressler) dabei ebenso Thema wie das Massaker von Srebrenica (in einem erschütternden Video-Triptychon des Mexikaners Enrique Jezik), Menschen- und Frauenrechte werden genauso thematisiert wie Migration und Kolonialherrschaft. Auch Arbeiten von Pipilotti Rist, Lisl Ponger, Manu Luksch oder Roberta Lima sind präsent.

Plakate der Guerrilla Girls dokumentieren ihren Aktivismus gegen eine männlich dominierte Kunstwelt. Aus einem Raum, in dem die in Wien lebende US-Amerikanerin Monica C. LoCascio arbeitet, dringt scharfer Essiggeruch. Sie hat für ihre lebende Installation eine große Mutter aus Bakterien und Hefe gezüchtet und gefüttert. Einen Stock unter ihr hat Gerald Staub eine Installation aufgebaut, die dazu einlädt, benützt zu werden: Sie besteht aus einem Whistleblower-Telefon, der Möglichkeit, auch schriftlich jemanden zu verpfeifen, drei Briefkästen, in denen man Botschaften nicht nur an klassische Briefkastenfirmen auf den Cayman Islands und in Panama, sondern auch an "Kurz", "Blümel" oder "Benko" einwerfen kann, und einer Tür ins Nebenzimmer, in der laut Türschild die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) zu Hause ist.

Doch wie immer ist die 2005 von dem ein Jahr zuvor gegründeten Art Cluster Vienna erstmals veranstaltete Vienna Art Week vor allem ein Netzwerk aus Partner-Institutionen und einem dicht gedrängten Veranstaltungsprogramm. "Es war schwierig in den vergangenen beiden Jahren, aber wir haben durchgehalten", erinnerte Martin Böhm, Präsident des 23 Mitglieder-Institutionen umfassenden Trägervereins, an die von der Pandemie überschatteten Vorgänger-Ausgaben. Man habe die Zeit genützt und Digitalität und Inklusivität der Vienna Art Week vorangetrieben.

Aus 160 Positionen wurden 50 Künstler und Künstlerinnen ausgewählt, die am Samstag und Sonntag ihre Ateliers öffnen, sagte Punkenhofer. Zu den Ateliers führen sechs Rundgänge, die Open Studio Day District Tours. Die Veranstaltungen sind frei zugänglich. Die Vienna Art Week läuft bis 25. November. In den vergangenen Jahren waren jeweils rund 35.000 Besucher gezählt worden.

(S E R V I C E - Vienna Art Week, 18.-25.11., House of Challenging Orders: Wien 5, Wiedner Hauptstraße 140, www.viennaartweek.at)