Vorarlberg-Wahl: Grüne kürten Parteichef Zadra zum Listenersten

Niederösterreich ist bei der EU-Wahl erneut das Bundesland mit den meisten Wahlberechtigten. 1.299.132 Personen dürfen ihre Stimme abgeben,
Parteichef Daniel Zadra wird die Vorarlberger Grünen im Herbst zum ersten Mal als Spitzenkandidat in eine Landtagswahl führen.

Der 39-Jährige wurde am Samstag bei einer Landesversammlung im Festspielhaus in Bregenz mit knapp 98 Prozent Stimmanteil (144 von 147 Stimmen) zum Listenersten gekürt. Davor hatte Gesundheitsminister Johannes Rauch - bei den jüngsten vier Vorarlberger Landtagswahlen (2004-2019) Spitzenkandidat der Grünen - für Kampfgeist gesorgt.

Rauch und Zadra betonten die Grünen als "stabile Kraft, die wirkt". Der Minister verwies auf seine eigene politische Karriere, die 1990 bei den Vorarlberger Gemeindewahlen "bei Null" begonnen hatte. Auf dem weiteren Weg der Grünen, der mit "sehr viel Herz und Kampfgeist" gegangen wurde, lagen Erfolge auf Kommunal-, Landes- und Bundesebene. Die Vorarlberger Grünen sind seit 2014 Regierungspartner der ÖVP und stellen zwei Landesräte - neben Katharina Wiesflecker (seit 2014) eben Rauch (bis 2022) und seither Zadra. Bei der Vorarlberger Landtagswahl 2019 erreichten die Grünen 18,9 Prozent Stimmenanteil und sieben Mandate (von 36).

Rauch warnte vor einem Rechtsruck - "Ich weiß, was ein Rechtsruck mit sich bringt" - bei den bevorstehenden Wahlgängen (Europa-, National-, Landtagswahl). Seine Gegenüber in Schweden und Finnland seien immer verlässliche Partner gewesen, nun sei das "komplett weg". Der Gesundheitsminister ortete eine "existenzielle Bedrohung für Europa" und für den Sozialstaat. In Ober- und Niederösterreich, wo die FPÖ in der Landesregierung sitzt, sei der Sozialstaat "schon beseitigt" worden, sagte Rauch. Es sei seine tiefe Überzeugung, dass nur ein sozialer Staat demokratisch bleibe. Vorarlberg sei das letzte Bundesland mit einer grünen Regierungsbeteiligung, das gelte es zu verteidigen.

"Wollen wir, dass Leute wie Kickl einen direkten Draht ins Landhaus haben? Sicher nicht!", sagte Zadra. Es brauche eine gestaltende Kraft, ein Vorwärts, kein Zurück. Hetzern und Brandstiftern müsse man Mut, Zuversicht und die klaren Werte der Aufklärung entgegensetzen. "Zu zweit werden wir die Party rocken", versprach Zadra und meinte damit sich selbst und Co-Parteichefin Eva Hammerer. Die 48-Jährige kandidiert als Listenzweite auf der Landesliste, sie erhielt dafür in der Landesversammlung eine 94,5-prozentige Zustimmung (137 von 146 Stimmen). Selbst bezeichnete sich Hammerer ebenfalls als Spitzenkandidatin, man trete als "Doppelspitze" an. "Ich kämpfe, dass wir den Weg der Erneuerung weitergehen können", sagte sie.

Zadra und Hammerer werden in den Bezirken ebenfalls auf den ersten beiden Positionen kandidieren. Beschlossen werden die Bezirkslisten am 6. Mai (Bludenz und Feldkirch) bzw. am 7. Mai (Bregenz und Dornbirn). Von der Versammlung am Samstag festgelegt wurden die ersten acht Plätze auf der Landesliste. Nach Zadra und Hammerer folgt auf Platz drei die Landtagsabgeordnete Christine Bösch-Vetter (91 von 146 Stimmen), die sich in einer Kampfabstimmung gegen "Fridays For Future"-Aktivist Johannes Hartmann durchsetzte, der selbst wiederum eine Kampfabstimmung um Platz vier für sich entschied. Auf Platz sieben tritt Landesrätin Wiesflecker an, auch "um Daniel (Zadra) und Eva (Hammerer) zu unterstützen". Sie wird ebenso auf der Bezirksliste stehen. Bei der Landtagswahl 2019 zogen fünf der sieben Grün-Abgeordneten über die Bezirkslisten in das Landesparlament ein, zwei Mandatare schafften es über die Landesliste.

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