APA - Austria Presse Agentur

Vorweihnachtliche Raumintervention von Olga Neuwirth in Wien

Der brave "Papa Haydn" war nicht immer so. Als Mittzwanziger organisierte Joseph Haydn 1753 am Tiefen Graben in Wien ein "Gassatim", nach heutigen Maßstäben ein Flashmob-Konzert, das am Ende von der Polizei gesprengt wurde. So dramatisch ging es Dienstagabend nicht zu, als Olga Neuwirth für Wien Modern ein Gassenkonzert in Nachfolge des großen Kollegen organisierte. Es wurde eher eine kleine Intervention in vorweihnachtlicher Atmosphäre unter den Kronleuchtern des Grabens.

Rund 100 Musizierende hatte die Künstlerin gemeinsam mit Regisseurin Sofia Simitzis rund um die Pestsäule versammelt, die sich teils überlagernd, teils parallel spielend, teils solistisch eine Kakophonie aus Neuwirth und Haydn, Ives und Berlioz boten. Das Gassatim 2.0 setzte dabei auf erstaunlichen Raumklang, beschränkten sich die Akteure doch nicht auf die ebene Erde der Innenstadtmeile, sondern nutzten auch die umliegenden Fensterebenen. So ertönte aus der Schwäbischen Jungfrau ein Chor, während auf dem Balkon des Hemdenmachers Knize Hupen ihr Werk taten.

Am Ende stand noch der massive Einsatz von Knackfröschen und ein beschließendes DJ-Set, schon war die öffentliche Intervention nach einer guten halben Stunde vorbei. Unzählige lachende Gesichter von einheimischen Musikfreunden wie Touristen hatten in dieser Zeit das Treiben unweit des Stephansdoms beobachtet, wobei der bei vielen obligatorische Mitschnitt mit dem Handy etwaige Kontemplation eher verhinderte. Und - anders als 1753 - wanderte am Ende keiner der Beteiligten ins Gefängnis.