UNO: Mai 2024 war der wärmste der Messgeschichte

Die Klimakrise betrifft alle Bereiche unseres Lebens und bringt auch Dürre
Der Mai 2024 sei der wärmsten Mai seit Beginn der Wetteraufzeichnungen gewesen, sagte UNO-Generalsekretär António Guterres am Mittwoch.

 Damit sei den zwölften Monat in Folge ein weltweiter Temperaturrekord verzeichnet worden. Die weltweite durchschnittliche Jahrestemperatur wird nach Einschätzung der UNO bis 2028 mit 80-prozentiger Wahrscheinlichkeit zeitweise die 1,5-Grad-Marke überschreiten.

Werbeboykott für Öllobby

Alarmierende Klimaberichte der jüngsten Zeit zeigen nach Überzeugung von Guterres die Notwendigkeit drastischer Maßnahmen auf. Er rief am Mittwoch zu einem Werbe- und Finanzierungsboykott der Industrie auf, die Profite mit fossilen Brennstoffen wie Gas, Öl und Kohle macht. Regierungen sollten Werbung der Branche verbieten, ähnlich wie Tabakwerbung. PR-Agenturen sollten keine Aufträge solcher Firmen mehr annehmen und bestehende Aufträge auslaufen lassen, sagte Guterres laut Redetext bei einer Rede im American Museum of Natural History in New York. Finanzinstitute sollten stattdessen in erneuerbare Energien investieren. Er nannte die Unternehmen der Branche für fossile Brennstoffe "Paten des Klimachaos".

Sie hätten jahrzehntelang Fortschritte in Richtung klimafreundliche Energie blockiert. "Milliarden von Dollar wurden dafür aufgewendet, die Wahrheit zu verdrehen, die Öffentlichkeit zu täuschen und Zweifel zu säen", sagte Guterres. Gleichzeitig hätten solche Firmen mit Billionen an Subventionen aus Steuergeldern Rekordgewinne gemacht. Es sei höchste Zeit, diese Profite mit einer Sondersteuer zu belegen, um Klimaschutzprojekte zu finanzieren.

Guterres regte auch die Einführung von Abgaben bei Schifffahrt, Luftverkehr und Brennstoffindustrie an, um mehr Geld für die Transformation zu nachhaltiger Energie in ärmeren Ländern zu haben. Die führenden Industrie- und Schwellenländer (G20), die 80 Prozent der weltweiten klimaschädlichen Emissionen erzeugen, müssten am meisten tun und ärmeren Ländern sowohl Technologien als auch Finanzhilfen geben.

2023 stieg Temperatur um 0,26 Grad

Allein im vergangenen Jahrzehnt (2014 bis 2023) stieg die Temperatur durch Aktivitäten des Menschen dem IGCC-Report zufolge um rund 0,26 Grad. Das sei ein Rekord bei der Aufzeichnung mit Messgeräten, die bis ins 19. Jahrhundert zurückreiche, berichtet die Gruppe um Piers Forster von der Universität Leeds im Journal "Earth System Science Data". Ein Jahrzehnt zuvor (2004 bis 2013) waren es nach Angaben der Universität rund 0,20 Grad.

Dem Report zufolge darf der Mensch grob noch 200 Milliarden Tonnen CO2 produzieren, um die Erderwärmung auf längere Sicht auf 1,5 Grad zu begrenzen. Das entspreche etwa den aktuellen Emissionen von fünf Jahren. Allerdings ist die Spanne nach Angaben der Universität Leeds hoch und reicht von 100 bis 450 Milliarden Tonnen.

Mit dem Mai war jeder einzelne der zurückliegenden zwölf Monate einer, in dem die globale Durchschnittstemperatur einen Rekordwert für den jeweiligen Monat erreichte, wie der EU-Klimawandeldienst Copernicus mitteilte. Im Vergleich zum Zeitraum 1850 bis 1900, der vorindustriellen Referenzperiode, war der Mai demnach 1,52 Grad wärmer. Die gemittelte globale Temperatur der vergangenen zwölf Monate - von Juni 2023 bis Mai 2024 - erreichte ebenfalls einen Höchstwert: Sie lag 1,63 Grad über dem vorindustriellen Niveau - also für den Zeitraum eines Jahres über der 1,5-Grad-Schwelle.

Die Copernicus-Erkenntnisse beruhen auf computergenerierten Analysen, in die Milliarden Messungen von Satelliten, Schiffen, Flugzeugen und Wetterstationen auf der ganzen Welt einfließen. Die Daten reichen nach Angaben einer Sprecherin bis in die 1940er-Jahre zurück. Durch Vergleiche mit älteren Datensätzen könne noch weiter zurückgerechnet werden.

Die Weltwetterorganisation WMO rechnet inzwischen fest damit, dass die 1,5 Grad-Schwelle der Erderwärmung schon in den nächsten fünf Jahren auch für ein konkretes Jahr, also von Jänner bis Dezember, mindestens einmal überschritten wird. Erstmals über einen Zeitraum von zwölf Monaten durchschnittlich über 1,5 Grad verglichen zum vorindustriellen Zeitalter hatte der Wert bereits im Jänner gelegen (Februar 2023 bis Jänner 2024).

Bisher war von Jänner bis Dezember gerechnet 2023 das heißeste Jahr seit der Industrialisierung, mit einer globalen Durchschnittstemperatur, die nach Daten der WMO 1,45 Grad über dem Durchschnitt von 1850 bis 1900 lag. Die Wahrscheinlichkeit, dass die globale Durchschnittstemperatur in einem der Jahre von 2024 bis 2028 mehr als 1,5 Grad über dem Niveau von 1850 bis 1900 liegt, betrage 80 Prozent, hieß es von der WMO. Für die gesamte Fünf-Jahres-Periode liege das Risiko bei 50 Prozent, dass sie über 1,5 Grad liegt.

Das Ziel, die Erwärmung möglichst auf 1,5 Grad zu begrenzen, stammt aus dem Pariser Klimaabkommen von 2015. Darin geht es allerdings um die Durchschnittstemperatur über längere Zeiträume, nicht einzelne Jahre. Insofern wäre das Ziel mit kurzzeitigen Überschreitungen noch nicht verfehlt.

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