APA - Austria Presse Agentur

Warnung vor Baby-Milchpulver wegen Mineralölrückständen

Einige in Österreich erhältliche Säuglingsmilch-Produkte des Lebensmittelriesen Nestle sollen mit Mineralölrückständen belastet sein, berichtet die deutsche Organisation foodwatch, die dazu am Donnerstag in Berlin Labortests vorlegte. Nestle Österreich kündigte auf APA-Anfrage eine Stellungnahme an, die zu Mittag noch nicht vorlag.

Die Europäische Lebensmittelbehörde EFSA beschreibe die inkriminierten aromatischen Mineralölbestandteile (MOAH) als potenziell krebserregend und erbgutschädigend, weshalb sie selbst in kleinsten Mengen nicht in Lebensmitteln enthalten sein sollten, so foodwatch. Betroffen seien "Beba Optipro Pre, 800 g, von Geburt an" und "Beba Optipro 1, 800 g, von Geburt an".

Die Organisation forderte vom Hersteller einen Rückruf der betroffenen Milchpulver, einen Verkaufsstopp durch Handelsketten und Apotheken und warnte zudem Eltern: Sie sollten ihren Kindern vorsorglich keine Säuglingsmilch aus Weißblechdosen füttern, bis die Hersteller belegen können, dass sie unbelastet ist.

Drei zertifizierte Labore hätten unabhängig voneinander und mit unterschiedlichen Methoden untersucht. Von vier in Deutschland gekauften Produkten wurde die Nestle-Säuglingsmilch "Beba Optipro 3, 800g, ab dem 10. Monat" nicht beanstandet. In zwölf weiteren Proben aus anderen Ländern seien in fünf Fällen aromatische Mineralöle gefunden worden, unter anderem in Produkten von Danone und Nestle in Frankreich und Hero Baby in den Niederlanden.

Die Stoffe seien wahrscheinlich von der Verpackung auf die Pulver übergegangen. Bei der Herstellung der Dosen werden Walz- und Schneidöle verwendet. Obwohl die Gesundheitsgefahren seit langem bekannt seien, "gibt es bisher nicht einmal gesetzliche Grenzwerte", kritisierte foodwatch und forderte für MOAH "eine Null-Toleranz". Schon 2015 ließ die Organisation 120 Lebensmittel wie Nudeln, Reis und Cornflakes analysieren, 43 Prozent enthielten demnach aromatische Mineralöle.

Die Pressestelle von Nestle Österreich kündigte eine Stellungnahme an. Zuvor müsse der Sachverhalt geklärt werden, man arbeite "mit Hochdruck" daran, wurde der APA versichert.

Die von foodwatch in bestimmten Babymilchpulvern festgestellten MOAH "gehören definitiv nicht in Lebensmittel", sagte Birgit Beck, Ernährungswissenschafterin beim Verein für Konsumenteninformation (VKI), auf APA-Anfrage. Die Forderungen nach Rückruf und Verkaufsstopp seien daher gerechtfertigt, ebenso wie eine Null-Toleranz beim Nachweis in Säuglingsnahrung. Das Problem MOAH sei zwar bekannt, aber vergleichsweise neu, deshalb fehlten Grenzwerte, meinte Beck.

Wegen der krebserregenden, erbgutschädigenden und hormonell wirksamen Eigenschaften seien sie für Säuglinge und Kinder besonders kritisch. Eltern rät die VKI-Expertin bezüglich der beanstandeten Produkte daher: "Ich würde sie derzeit nicht verwenden, außer es gibt Entwarnung." Verunsicherte Konsumenten sollten sich vielmehr an den Hersteller wenden.

Nach bisherigem Wissensstand sei offenbar die Verpackung in Weißblechdosen das Problem. Als Alternative gibt es in Beutel und eine Kartonumverpackung gefüllte Milchpulver. "Bei einem Test solcher Produkte hat der VKI im Jahr 2016 keine dieser Substanzen nachgewiesen", sagte Beck. Pulver aus Dosen waren damals nicht untersucht worden.

Die Expertin hob die bisher "schwierige Analytik" hervor: Vor einigen Jahren habe ein anderer Test der Wiener Konsumentenschützer MOAH in Schokoladen nachgewiesen. "Damals konnte das in Österreich noch kein Labor, später dann nur mit hohen Nachweisgrenzen. Mittlerweile gibt es aber Labore, die das ganz gut können."

Bitte stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu, um Ihnen eine optimale Nutzererfahrung zu ermöglichen. Alle Informationen finden Sie in unserer Datenschutzrichtlinie.