APA - Austria Presse Agentur

Weiter heftige Kämpfe im Süden des Gazastreifens

Die heftigen Kämpfe im Gazastreifen gehen weiter. Vor allem im Bereich von Khan Younis im Süden des Küstengebiets gab es am Wochenende laut israelischer Armee erneut "intensive Gefechte". Weiters hieß es: "Die Truppen haben Terroristen ausgeschaltet und große Mengen an Waffen gefunden." Die von der Hamas kontrollierte Gesundheitsbehörde in Gaza meldete ihrerseits am Sonntag, binnen 24 Stunden seien durch israelische Angriffe mindestens 165 Palästinenser getötet worden.

Rund 290 weitere seien in dem Zeitraum verletzt worden, hieß es zudem in der Mitteilung. Damit sei die Zahl der seit Beginn des Krieges am 7. Oktober getöteten Menschen in dem Küstenstreifen auf mindestens 26.422 gestiegen. Mehr als 65.000 weitere seien verletzt worden. Die Zahlen ließen sich zunächst nicht unabhängig überprüfen.

Nach Angaben eines Sprechers der Gesundheitsbehörde sind zahlreiche Tote noch unter Trümmern begraben oder liegen auf den Straßen. Wegen der Kämpfe könnten Rettungskräfte und der Zivilschutz häufig nicht zu ihnen gelangen. Angesichts massiver israelischer Angriffe seien Tausende von Zivilisten aus dem Gebiet von Khan Younis in Richtung Rafah an der Grenze zu Ägypten geflüchtet.

Laut israelischen Angaben tobten besonders heftige Kämpfe nahe Khan Younis im Süden des Küstenstreifens. Israel vermutet dort die Führung der islamistischen Hamas im unterirdischen Tunnelnetzwerk. Es gilt auch als wahrscheinlich, dass dort Geiseln von der Hamas festgehalten werden.

Der israelische Militärsprecher veröffentlichte am Sonntag einen weiteren Aufruf in arabischer Sprache. Darin wurden Einwohner von vier Vierteln in Khan Younis erneut zur Flucht in eine designierte Region am Mittelmeer aufgerufen. Außerdem nannte der Militärsprecher drei jeweils vierstündige Zeitfenster am Sonntag, Montag und Dienstag. Taktische Kampfpausen in der Zeit sollten Menschen in Rafah ermöglichen, sich mit Proviant einzudecken. Hilfsorganisationen warnen immer wieder vor einer Hungersnot in dem blockierten Gebiet.

Die israelische Armee teilte zudem mit, Truppen hätten im Norden des Gazastreifens "einen Terrortunnel entdeckt und zerstört, Terroristen ausgeschaltet und Waffen in dem Gebiet gefunden".

Nach Informationen der Zeitung "Wall Street Journal" sind drei Monate nach Beginn der israelischen Bodenoffensive vermutlich noch bis zu 80 Prozent der unterirdischen Tunnel im Gazastreifen intakt. Das Tunnelnetzwerk sei laut Schätzungen mehr als 480 Kilometer lang - etwa die Hälfte der New Yorker U-Bahn. Repräsentanten Israels und der USA gingen nach Angaben des Blatts davon aus, dass nur 20 bis 40 Prozent der Tunnel beschädigt oder nicht mehr funktionsfähig seien.

Israel habe bei den Einsätzen gegen das Tunnelsystem, das der Hamas als Versteck und Kampfbasis dient, verschiedene Methoden eingesetzt, schrieb die Zeitung. Dazu gehörten Luftangriffe, flüssiger Sprengstoff sowie das Fluten mit Meerwasser. In diesem Monat sei auch im Bereich von Khan Younis im Süden des Gazastreifens Wasser aus Israel eingesetzt worden. In einigen Fällen hätten jedoch unterirdische Wände oder andere Barrieren den Fluss des Wassers gestoppt. Insgesamt sei die Methode "nicht so effektiv gewesen, wie israelische Repräsentanten dies gehofft hatten". Kritiker hatten vor gefährlichen Umweltschäden durch das Fluten gewarnt.

In den Tunneln werden auch mehr als 130 Geiseln vermutet, die noch im Gazastreifen festgehalten werden. Der militärische Hamas-Arm warnte die Geiselfamilien am Samstag, sie müssten sich auf den Tod ihrer Angehörigen durch Bombardements einstellen, sollte der Krieg weitergehen.

Auslöser des Krieges war das schlimmste Massaker in der Geschichte Israels, das Terroristen der Hamas sowie anderer extremistischer Palästinenserorganisationen am 7. Oktober in Israel nahe der Grenze zum Gazastreifen verübt haben. Auf israelischer Seite sind dabei 1.200 Menschen getötet worden. Seit Beginn der israelischen Bodenoffensive im Gazastreifen Ende Oktober sind nach Militärangaben 221 Soldaten und Soldatinnen getötet worden. Mehr als 1.200 weitere wurden verletzt. Seit dem 7. Oktober sind demnach 557 Soldaten und Soldatinnen getötet worden.