Weiter heftige Kämpfe um Bachmut

Russen und Ukrainer kämpfen erbittert um Ruinenstadt
Die ukrainische Armee kämpft weiter erbittert um die von russischen Soldaten belagerte Stadt Bachmut. Die Situation sei "ein Schlachthaus auf beiden Seiten", sagte der Kommandant einer ukrainischen Einheit dem Internetkanal Espresso TV. Teile einiger Einheiten seien angewiesen worden, in sichere Stellungen zu wechseln. Der Anführer einer ukrainischen Drohneneinheit sagte in einem in Video, seine Einheit sei zum sofortigen Rückzug aufgefordert worden.

Kiew hatt zuvor eingeräumt, dass die Angreifer versuchten, die Stadt einzukesseln. Der Chef der russischen Söldnertruppe Wagner, Jewgeni Prigoschin, sprach von einer fast vollständigen Einkesselung. Eine einzige Straße Richtung Westen würde den Ukrainern noch offen stehen. Ein Wagner-Kämpfer berichtete der russischen Nachrichtenagentur Ria Nowosty, die ukrainischen Truppen hätten bereits fast alle Brücken über den Bachmutska-Fluss gesprengt.

Nach den Worten des NATO-Oberbefehlshabers in Europa hat Russland bisher mehr als 2.000 große Kampfpanzer verloren. Mehr als 200.000 russische Soldaten und über 1800 Offiziere seien gefallen oder verwundet worden, sagte General Christopher Cavoli am Freitag auf einer Veranstaltung im Hamburger Rathaus. Pro Tag verschieße die russische Armee im Schnitt über 23.000 Artilleriegeschosse.

Während der Fonds des ukrainischen Komikers und Fernsehmoderators Serhij Prytula über 100 gebrauchte Panzerfahrzeuge zur Unterstützung der Armee erworben haben will, machte der deutsche Rüstungskonzern Rheinmetall Verhandlungen über den Bau einer Panzerfabrik auf ukrainischem Boden publik. "Für rund 200 Millionen Euro kann ein Rheinmetall-Werk in der Ukraine aufgebaut werden, das jährlich bis zu 400 Panther produziert. Die Gespräche mit der dortigen Regierung sind vielversprechend, und ich hoffe auf eine Entscheidung in den nächsten zwei Monaten", sagte Konzernchef Armin Papperger der Düsseldorfer "Rheinischen Post" vom Samstag.

Die Ukraine brauche 600 bis 800 Panzer für einen Sieg, so Pappberger laut einem Vorausbericht. Damit die Menge zusammenkomme, müsse der Bau neuer Panzer schnell starten. Der Rheinmetall-Chef geht davon aus, dass der Krieg noch Jahre dauern wird. "Die westlichen Alliierten schicken zwar genügend Waffen dahin, damit die Ukraine sich verteidigen kann, aber die Ukrainer haben heute nicht genügend Ausrüstung, um ihr Territorium ganz zurückzuerobern. Russland hat gleichzeitig zwar nicht so hohe Ressourcen wie der Westen als Ganzes, aber ich kann bisher nicht erkennen, dass die Führung rund um Putin Abstriche von ihrem aggressiven Kurs gegenüber der Ukraine macht. Diesen Spagat können wir nur durch eine deutlich konsequentere Unterstützung der Ukraine auflösen", so Papperger.

Präsident Wolodymyr Selenskyj trieb indes die Pläne für ein Kriegsverbrechrtribunal gegen die russische Staats- und Militärführung voran.Zentrales Thema der internationalen Konferenz "United for Justice" (Vereint für Gerechtigkeit) in Lwiw sei "die Verantwortung Russlands und seiner Führung - die persönliche Verantwortung - für Aggression und Terror gegen unser Land und unser Volk" gewesen, betonte Selenskyj am Freitag in seiner allabendlichen Videoansprache. "Und wenn sie zur Rechenschaft gezogen werden, wird die Gerechtigkeit wiederhergestellt werden." An dem Treffen waren auch Vertreter der EU und anderer europäischer Institutionen beteiligt.

Die Ukraine bemüht sich seit Monaten, mit ihren Unterstützern einen internationalen Gerichtshof nach dem Vorbild des Nürnberger Tribunals für Nazi-Kriegsverbrecher zu bilden, vor dem sich führende Vertreter Moskaus für den Krieg gegen das Nachbarland verantworten sollen. Das Treffen in Lwiw war bis zu seinem Abschluss am Freitagabend offenkundig aus Sicherheitsgründen geheimgehalten worden.

An dem Treffen nahmen unter anderem US-Justizminister Merrick Garland und der niederländische Vizeregierungschef Wopke Hoekstra teil. Selenskyjs Ansprache an die Teilnehmer wurde erst nach Abschluss der Konferenz veröffentlicht. "Der Präsident der Russischen Föderation, Wladimir Putin, und all seine Komplizen müssen gerechte und legale Strafen erhalten", forderte Selenskyj. "Für all das, was sie getan haben, im Namen und im Gedenken an alle, deren Leben sie genommen und deren Schicksale sie zerstört haben." Den Plänen für dieses von Kiew angestrebte Tribunal fehlen aber bisher wirksame Maßnahmen, mit denen die politische und militärische Führung Moskaus auf die Anklagebank gebracht werden könnte.

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