APA - Austria Presse Agentur

Weniger Neuinfektionen in Italien: ExpertInnen warnen vor Optimismus

Die italienischen Gesundheitsbehörden haben vor vorschnellem Optimismus angesichts des Rückgangs bei den Neuinfektionen mit dem neuartigen Coronavirus gewarnt.

"Wir dürfen uns keine Illusionen wegen eines leichten Rückgangs machen", sagte der Direktor des italienischen Gesundheitsinstituts (ISS), Silvio Brusaferro, im Sender Rai Radio2. 

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Zahl der Neuinfektionen sinkt

Er rief die ItalienerInnen eindringlich dazu auf, die Ausgangsbeschränkungen weiter einzuhalten. Nach offiziellen Angaben vom Montagabend sank die Zahl der täglichen Neuinfektionen mit dem Coronavirus zuletzt von mehr als 6.500 auf knapp 4.800. 601 Menschen starben innerhalb von 24 Stunden an den Folgen ihrer Infektion. Dies entspricht einem leichten Rückgang von sechs Prozent.

Die Daten müssten nun "sehr sorgfältig" geprüft werden, sagte Brusaferro. Es werde einige Zeit dauern, um den "Trend zu verstehen". Die ItalienerInnen befänden sich in einer "sehr wichtigen Woche" der Pandemie. Brusaferro forderte seine Landsleute dazu auf, die landesweit geltenden Ausgangsbeschränkungen und Abstandsregeln weiterhin strikt einzuhalten. Die Folgen "schlechten Verhaltens heute" werde man in zwei Wochen sehen, warnte er. "Unsere Fähigkeit, die Regeln strikt zu befolgen, wird definitiv den Verlauf der Ansteckungskurve in allen Regionen beeinflussen."

Italien verlangte zudem von allen EU-Ländern die Ergreifung rigoroser Maßnahmen gegen die Coronavirus-Epidemie. "Italien setzt eine Strategie um, die uns große Opfer kostet und die gravierende wirtschaftliche Auswirkungen haben wird. Wir können nicht zulassen, dass andere Länder im Kampf gegen die Epidemie weniger streng vorgehen", sagte Premier Giuseppe Conte.

Infizierte aus dem Ausland

Die Gefahr sei, dass Italien mit infizierten Personen konfrontiert sei, die aus dem Ausland zurückkehren. "Daher ist eine koordinierte europäische Reaktion auf diese Epidemie der einzige Weg, um den Notstand zu überwinden", erklärte der Premier bei einem Treffen mit den Chefs der Oppositionsparteien am Montagabend.

Conte kündigt an, dass seine Regierung im April ein weiteres Hilfspaket für die Wirtschaft verabschieden wird. Das neue Paket werde "beträchtliche Finanzierungen" zur Stützung von Arbeitnehmern, Familien und Unternehmen enthalten. Bereits vor einer Woche war ein mit 25 Milliarden dotiertes Hilfspaket mit Wirtschaftsmaßnahmen verabschiedet worden.

Mehrheit befürwortet Maßnahmen

Auch der italienische Präsident Sergio Mattarella rief die ItalienerInnen dazu auf, geschlossen auf die Coronavirus-Epidemie zu reagieren. Italien müssen den Zusammenhalt der Nachkriegszeit wiederfinden, als das Land wieder aufgebaut werden musste. "Am Ende dieser schrecklichen Jahre, die von Diktatur und Krieg geprägt waren, konnte das italienische Volk geschlossen den wirtschaftlichen, zivilen und sozialen Aufbau unseres Landes ermöglichen. Dieselbe Einheit ist heute, in einer schwierigen Phase für die ganze Gemeinschaft, notwendig", sagte Mattarella.

Die meisten ItalienerInnen scheinen die strengen Eindämmungsmaßnahmen der Regierung inzwischen akzeptiert zu haben. Großstädte wie Mailand, Neapel, Rom und Florenz machten in den vergangenen Tagen einen verwaisten Eindruck. Einer Umfrage der Zeitung "La Repubblica" zufolge befürworten 94 Prozent der ItalienerInnen Maßnahmen wie die Schließung von Schulen und anderen öffentlichen Einrichtungen ebenso wie die Ausgangsbeschränkungen.

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