APA - Austria Presse Agentur

Wien legt "Leitfaden" für Kulturbetrieb vor

Vorigen Freitag hat die Bundesregierung die schrittweise Wiederöffnung von Kulturveranstaltungen - beginnend mit 29. Mai - angekündigt.

Da die entsprechende Verordnung inklusive Umsetzungsvorgaben noch auf sich warten lässt, prescht Wien nun mit einem "Leitfaden" vor. Dieser diene auch als Vorschlag für den Bund, wie Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) am Dienstag bei der Präsentation betonte.

Das recht allgemein gehaltene Orientierungspapier, das vor allem auf Indoor-Veranstaltungen abzielt, da Events im Freien als grundsätzlich unproblematischer gelten, wurde in den vergangenen Tagen gemeinsam mit Medizinern und Hygieneexperten sowie Vertretern zahlreicher Kulturinstitutionen erarbeitet. Am Dienstag habe auch der Krisenstab der Stadt Wien sein Okay dazu gegeben, informierte Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ). Man stelle den Leitfaden nun dem Gesundheitsministerium zur Verfügung, um damit die bundesweiten Rahmenbedingungen für Kulturevents festlegen zu können. Sollte das nicht gewünscht sein, kann man sich auch eine Umsetzung nur für Wien vorstellen - mit Inkrafttretung "im Laufe des Juni".

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Federführend an der Ausarbeitung der Handlungsanweisungen für Kinobetreiber, Museums- und Theaterhäuser oder Veranstalter war der Umweltmediziner Hans-Peter Hutter. Ziel sei es, mit den Empfehlungen dafür zu sorgen, "dass der Besuch eines Kulturbetriebs nicht risikoreicher ausfällt als der Aufenthalt im öffentlichen Raum". Hier Vorgaben zu systematisieren, sei insofern schwierig gewesen, als ein Opernhaus andere Voraussetzungen habe als ein Kellertheater, ein Auftritt eines großen Orchesters andere Herausforderungen bringe als der eines einzelnen Kabarettisten.

Grundsätzlich geht es um die Frage, wie grundsätzliche zentrale Maßnahmen im Kampf gegen die Pandemie - also vorrangig Abstandhalten - auf den Kunstbetrieb umgelegt werden können. Museen seien da noch "einfache" Schauplätze, sagte Hutter. Empfohlen wird, dass Besucher beim Betreten und Verlassen des Ausstellungshauses einen Mund-Nasen-Schutz tragen müssen und die Gästeanzahl pro Museum bzw. Schauraum so limitiert werden muss, dass die Zehn-Quadratmeter-Regel eingehalten wird.

Diffiziler wird es für Kinos, Theater oder Live-Performances. "Hotspots" wie Ein- und Ausgänge müssten "streng organisiert" werden. Anzudenken seien gestaffelte Einlässe, die Maskenpflicht wird vom Eintritt bis zum Verlassen der Veranstaltung nahegelegt. Außerdem wird empfohlen, Tickets vorrangig über den Vorverkauf abzuwickeln, die Sitze im Schachbrettmuster zu besetzen und den Abstand zwischen Bühne und Publikum - also zur 1. Reihe - zu vergrößern. Auf Stehplätze und Pausen soll verzichtet werden. Außerdem soll die Möglichkeit ins Auge gefasst werden, dass sich Zuschauer freiwillig registrieren, um im Fall von festgestellten Infektionen rasch Kontakt aufnehmen zu können.

Hingewiesen wird im Leitfaden auch darauf, dass für ausreichend Lüftung bzw. Luftaustausch zu sorgen ist. Denn dies habe signifikanten Einfluss auf das Infektionsrisiko. Das sei freilich ein "erhöhter organisatorischer und technischer Aufwand", räumte Hutter ein.

Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler (SPÖ) sagte, es gehe "um maximalen Handlungsspielraum innerhalb der Regeln, an die wir uns alle halten sollen und müssen". Dafür brauche es aber Vorgaben. "Aufsperren ist ja nicht einfach das Umdrehen eines Schlüssels", verwies sie auf lange Vorlaufzeiten im Kulturbereich.

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