Wiener Narrenturm zeigt in Sonderschau "verewigte Krankheitsbilder"

Die Ausstellung im Narrenturm läuft von 29. Mai 2024 bis 20. April 2025
In ein bis heute höchst anschaulich konserviertes Stück Medizingeschichte kann man von 29. Mai bis zum 20. April 2025 im Wiener Narrenturm eintauchen.

"Die Kunst der Moulage - verewigte Krankheitsbilder" heißt die Sonderausstellung in der Außenstelle des Naturhistorischen Museum (NHM) Wien. Aber Obacht: Ausstellungsobjekt-Namen wie "Knie mit Lepra" zeigen genau das, was sie versprechen.

Insgesamt verfügt der Narrentum in Wien-Alsergrund über 3.000 dem Denkmalschutz unterliegende sogenannte "Moulagen". Das sind "dreidimensionale, naturgetreue Darstellungen krankhafter Körperregionen in Wachs", wie es in den Unterlagen zur Ausstellungspräsentation mit NHM-Generaldirektorin Katrin Vohland und dem Kustos der pathologisch-anatomischen Sammlung im Narrenturm, Eduard Winter, heißt. So wird eine Art Negativ der betroffenen Körperstelle erzeugt, die dann mit Wachs ausgegossen wird. Die so erzeugte Form erhält dann einen möglichst der Realität entsprechenden Anstrich und wird zum Beispiel durch Haare ergänzt.

Ihre Hoch-Zeit hatte diese Technik am Ende des 19. und in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. In Wien waren es vor allem Carl und Theodor Henning, die die Methodik anwendeten und etablierten. Sie begannen 1892 im Auftrag der Medizinischen Fakultät der Universität Wien mit der Herstellung der Abgüsse für den medizinischen Unterricht. Die Nachfrage war rasch recht groß, weshalb an der Uni ein eigenes Institut zu deren Erzeugung und Vervielfältigung entstand. Naturgemäß im Fokus der immer kunstvolleren Produktion, die bis ins Jahr 1937 reichte, waren Krankheitsbilder, die sich auf der Körperoberfläche abspielen.

"Anhand von Materialanalysen und historischen Quellen wird die Entwicklungsgeschichte der Moulagen veranschaulicht und die Geschichte des k.k. Moulageinstitut von einer universitären Einrichtung zur Erzeugung von Lehrmitteln hin zu einem Privatunternehmen mit unterschiedlichen Angeboten erzählt", heißt es seitens dem NHM. Zwar liefen den 3D-Nachbildungen im Laufe des 20. Jahrhunderts zunehmend Fotografien den Rang ab, trotzdem greift man heute wieder vermehrt auf die Moulagen aus der Pathologisch-anatomischen Sammlung zurück, so etwa als Anschauungsmaterial an Schulen oder in der Ausbildung von Krankenpflegerinnen und Krankenpflegern.

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