APA - Austria Presse Agentur

Wien ist nun auch bei den Testungen pro EinwohnerIn an der Spitze

Wien steht wegen der im Bundesländer-Vergleich recht hohen Zahl an täglichen Corona-Neuinfektionen immer wieder im Fokus. Im Rathaus weist man nun darauf hin, dass die Bundeshauptstadt bei den Testungen zuletzt deutlich zugelegt habe. Mittlerweile liegt man auch bei den Tests pro 100.000 EinwohnerInnen an der Spitze. Dadurch würden nicht zuletzt sehr viele asymptomatische Fälle erkannt, hieß es.

Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ) spricht von einer "offensiven Test- und Gesundheitsstrategie". Zu dieser stehe er, "auch wenn sie einer scheinbar hübsch aussehenden Statistik nicht dienlich ist", meint er mit Blick auf die dank des höheren Testaufkommens auch höheren Fallzahlen.

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In absoluten Zahlen befindet sich die Hauptstadt bei den Tests allein wegen ihrer fast zwei Millionen EinwohnerInnen schon länger an der Spitze. Bei den Abstrichen pro 100.000 EinwohnerInnen lag man allerdings noch vor nicht allzu langer Zeit nur im guten Mittelfeld. Das hat sich nun geändert.

Das Büro von Hacker führt dabei die bundesweite Mai-Statistik und die bisher vorliegenden Juni-Zahlen ins Treffen. So gab es in Wien im Vormonat durchschnittlich 1.630 SARS-CoV-2-Befundungen pro Tag. Das bedeutet 85 Untersuchungen pro 100.000 EinwohnerInnen. Damit lag man im Mai auf Platz zwei hinter Tirol, wo täglich 89 Tests pro 100.000 EinwohnerInnen durchgeführt wurden.

Im laufenden Monat (bis inklusive 10. Juni) sind die Befundungen inzwischen auf 1.963 pro Tag gestiegen - ein Plus von 333. Das heißt, dass pro 100.000 EinwohnerInnen durchschnittlich bei 103 Personen Abstriche durchgeführt worden sind - wodurch man sich in diesem Ranking auf den ersten Platz geschoben hat. Dahinter folgen Niederösterreich mit 87 Testungen pro 100.000 EinwohnerInnen und Vorarlberg mit 66. Dieser Wert entspricht auch dem Gesamt-Österreich-Schnitt. Der einstige Spitzenreiter Tirol führte seit Juni-Beginn nur noch 62 Tests pro Tag durch.

Die Statistik zeigt außerdem, dass im bisherigen Juni-Verlauf die Zahl der Befundungen im Vergleich zum Mai österreichweit zurückgegangen ist - nämlich im Schnitt um 220 pro Tag oder zwei pro 100.000 EinwohnerInnen. Demnach gab es in sechs Bundesländern einen Rückgang an Testungen. Nur Wien, Niederösterreich und Kärnten bilden hier mit einem Zuwachs die Ausnahme.

Das führt dazu, dass Wien (33,6 Prozent) und Niederösterreich (25 Prozent) im bisherigen Juni für mehr als die Hälfte (58,6 Prozent) aller österreichweiten Corona-Tests verantwortlich waren - bei einem Bevölkerungsanteil von gemeinsam 40,4 Prozent.

Was Wien anbelangt, gab es im Mai 765 bestätigte Infektionen - bei 50.529 Testeinmeldungen. Das heißt: Nur bei 1,51 Prozent der Abstriche zeigte sich tatsächlich eine Infektion. Die Mehrheit dieser Fälle lässt sich Clustern innerhalb von Familien (236) oder Betrieben (232) zuordnen, wobei bei letzteren sich freilich die Dutzenden Infizierten bei der Post niedergeschlagen haben. Die Bereiche Kindergarten (32) und Schule (16) waren hingegen eher vernachlässigbare Größen.

Beim Cluster "Heime" (Pflegewohnheime, Behinderten- und Wohnungsloseneinrichtungen) gab es beispielsweise 43 Fälle, beim Medizinischen Personal 23. Zur Erklärung: Die Wege der Infektionskette bestimmen die Cluster-Zuordnung. Steckt zum Beispiel ein Krankenpfleger seine Frau und Kinder an, gilt dies als Familiencluster. Infiziert die gleiche Pflegekraft auch Kollegen im Spital, zählen diese Fälle als Cluster innerhalb des Medizinischen Personals.

Laut Auswertung des Wiener Gesundheitsressorts waren 505 der 765 entdeckten Mai-Fälle außerdem bereits in Quarantäne, als sie getestet wurden. Denn sie wurden zuvor schon als enge Kontaktpersonen von bereits Infizierten eingestuft und zur häuslichen Absonderung verpflichtet.

Im Stadtratsbüro erklärt man, dass durch die geänderte Teststrategie der Stadt all diese Personen dennoch getestet werden, anstatt es nur bei der Quarantäne zu belassen. Dadurch entdecke man mitunter Infektionsketten, die ansonsten verborgen geblieben wären. Das will die Stadt auch mit gezielten Screenings größerer Einrichtungen erzielen, wie sie seit einiger Zeit durchgeführt werden.