APA - Austria Presse Agentur

Haus des Meeres: Künstler sieht im neuen Design des Flakturms einen "Scheißjob"

Die Debatte um das - nunmehr übermalte - Kunstwerk Lawrence Weiners, das das Wiener "Haus des Meeres" zierte, reißt nicht ab.

Nun hat sich in der Tageszeitung "Kurier" (Donnerstagsausgabe) der Künstler selbst zu Wort gemeldet. Er kritisiert den Umgang mit seinem Werk und sieht im neuen Design des Flakturms einen "Scheißjob". Die "Haus des Meeres"-Betreiber wehren sich gegen die Kritik.

Das Kunstwerk Lawrence Weiners gegen Krieg und Faschismus "Smashed to Pieces (In the Still of the Night)" entstand 1991 im Zuge der Wiener Festwochen und war als temporäre Wortskulptur im öffentlichen Raum gedacht. Verschwunden ist es aber erst vor Kurzem von der Außenseite des Dachgeschoßes des ehemaligen Flakturms im Esterhazypark, der einen Aquazoo beherbergt. Nun ist dort der Name des Turmeigentümers zu lesen: "Haus des Meeres", mit dem Hinweis "Erinnern im Innern".

Keinen Streit anzetteln

"Ich weiß, ich sollte das nicht sagen, aber wer immer den Flakturm neu designt hat, hat einen Scheißjob gemacht", ärgerte sich Weiner im "Kurier". "Aber ich will jetzt keinen Streit mehr anzetteln. Es ist nichts falsch daran, keine Kunst zu haben. Viele Menschen können gut damit leben, ihr keine Beachtung zu schenken." Außerdem: "Was soll ich sagen? Ich kann dem Fortschritt nicht im Weg stehen. Und Wien wird kulturell kollabieren, wenn es nicht ein weiteres Kaffeehaus bekommt. Das gibt es jetzt da oben am Flakturm."

Auf den Einwurf, dass doch das Werk von vornherein temporär ausgelegt gewesen sei, meinte der New Yorker Konzeptkünstler: "Das war es, und dann wieder nicht." Und weiter: "An einem Punkt beschloss die Stadt, dass es ihr Werk war, und ich fand das super. Also verlieh ich die Arbeit. Aber irgendwann wäre zu akzeptieren gewesen, dass das Werk nicht den Eigentümer gewechselt hat. Wir hätten ein Arrangement treffen können, in dem ich alle paar Monate etwas bekomme und das Werk instand gehalten wird. Das hätte mir gefallen, ja. Aber man hat mich gar nicht in die Konversation eingebunden."

Name an der Außenfassade

Kritik an der Übermalung gab es auch in den sozialen Medien. Die "Haus des Meeres"-Betreiber können dies nicht verstehen, denn: "Wir haben nichts anderes getan, als unseren Namen auf unser Haus zu schreiben", betonte Stiftungsvorstand Franz Six. Auch Museen und andere öffentliche Gebäude würden ihren Namen an der Außenfassade anbringen.

Weiters ärgert sich Six: "Derzeit haben unsere Führungsspitzen und ich durch das bisher anspruchsvollste Ausbauprojekt unserer Geschichte erneut große Verantwortung übernommen und da ist es erstaunlich, welchen Fokus manche Medien in den letzten Tagen gesetzt haben. Im Vordergrund stand nämlich das Konzeptkunstwerk von Lawrence Weiner."

Geschäftsführer Hans Köppen berichtete zuletzt außerdem, dass Weiner schon länger - noch bevor die Zubaupläne tatsächlich konkret waren - darüber nachgedacht habe, "ob das Kunstwerk noch hinpasst". In Zusammenarbeit mit der Stadt Wien seien überdies Alternativen für den Schriftzug gesucht worden, fügte Six hinzu. So habe es Überlegungen gegeben, das Kunstwerk auf einen anderen Flakturm zu übertragen. Das "Haus des Meeres" sei sogar bereit gewesen, einen finanziellen Beitrag zu leisten. "Aber diese Pläne zerschlugen sich." Die Idee bzw. der Wunsch nach Übermalung sei nicht vom "Haus des Meeres" ausgegangen. Die Demontage sei mit der Galerie Winter, die Weiner in Wien vertritt, vereinbart worden.

Six berichtete außerdem, dass gestern, Mittwochabend, eine Informationsveranstaltung zu den Bauarbeiten, im "Haus des Meeres" stattgefunden hat. Dabei konnten sich interessierte Anrainer über die Fortschritte erkundigen. Nur ein Teilnehmer habe die Übermalung bedauert.

Bitte stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu, um Ihnen eine optimale Nutzererfahrung zu ermöglichen. Alle Informationen finden Sie in unserer Datenschutzrichtlinie.