APA - Austria Presse Agentur

Wirbel um "unmenschliche" Dienstpläne beim Postbus

Beim ÖBB-Tochterunternehmen Postbus gibt es Wirbel um neue Dienstpläne. Der Betriebsrat des Postbus kritisiert, dass in den "unmenschlichen Dienstplänen" ab Mitte Juni Lenker Früh- und Spätschichten übernehmen und dazwischen mehr als neun Stunden unbezahlt auf der Dienststelle verbringen sollen. Von ÖBB-Seite heißt es auf APA-Anfrage, bei Härtefällen seien Anpassungen möglich.

Der Vorsitzende des Zentralbetriebsrats beim Postbus, Robert Wurm, kündigt am Freitag in einer Presseaussendung "massive" Protestmaßnahmen an, die auch zum Ausfall von Bussen führen könnten. Man werde dieses Vorgehen mit allen rechtlichen Mitteln bekämpfen und sich auch an alle Aufsichtsgremien in den ÖBB und die Eigentümervertreterin Verkehrsministerin Leonore Gewessler (Grüne) wenden. Vor allem Lenkerinnen und Lenker in Niederösterreich seien betroffen.

"Die neuen Dienstpläne verstoßen gegen unseren Kollektivvertrag. Das Management betreibt damit nicht nur Lohnraub, sondern stielt den Menschen auch auf unfassbare Weise ihre Lebenszeit. Das ist der Dank dafür, dass unsere Leute für die Menschen selbst am Höhepunkt der Coronakrise den Busverkehr am Laufen gehalten haben. Vor wenigen Wochen waren wir noch die Heldinnen und Helden der Arbeit. Kaum ist die erste Welle überstanden, tritt man unsere Rechte mit Füßen", empört sich der Zentralbetriebsratschef.

Der Betriebsrat gibt dazu ein Beispiel: Ein Lenker fängt um 3:41 Uhr seinen Dienst an und fährt bis 7:55 Uhr, steht dann 9:15 Stunden in der Dienststelle und fährt wieder von 17:10 Uhr bis 19:35 Uhr. Er komme damit auf eine Einsatzzeit von 15:54 Stunden, aber nur 6:30 Stunden davon werden bezahlt. Die Dienststellen an den Zielorten der Postbus-Linien seien in neun von zehn Fällen weit weg von den Wohnorten der Lenkerinnen und Lenker.

Die ÖBB versichern in einer Stellungnahme, dass man die Sorgen rund um die Dienstpläne sehr ernst nehme. "Keine Frage, die Lenkerinnen und Lenker beim Postbus haben in den vergangenen Wochen sehr gute Arbeit geleistet und mitgeholfen, das Land am Laufen zu halten", wird der Belegschaft ein Lob ausgesprochen. Sollte es bei den Dienstplänen zu Härtefällen bei Busfahrerinnen und Busfahrern kommen, seien Anpassungen möglich und die Lenker könnten auch auf anderen Dienstplänen am selben Standort eingesetzt werden. Man sei davon überzeugt, dass man gemeinsam mit dem Betriebsrat zu einer guten Lösung komme. Es seien alle gesetzlichen und dienstrechtlichen Grundlagen eingehalten worden.

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