APA - Austria Presse Agentur

Wirtschaft und Bauern sind mit dem Koalitionspakt zufrieden

Vor allem vonseiten der Wirtschaft sind die Reaktionen auf das Regierungsprogramm der türkis-grünen Koalition klar positiv. "Gerade im Bereich Wirtschaft konnten wir unsere Anliegen und Ideen für den österreichischen Standort einbringen", sieht Wirtschaftsbund-Präsident Harald Mahrer die Interessen der Unternehmer weitgehend berücksichtigt.

Die Steuerlast werde gesenkt, gleichzeitig aber auch die Chancen der Ökologisierung genutzt, sagte Mahrer am Freitag laut Mitteilung und sprach von einem starken internationalen Signal für den österreichischen Wirtschaftsstandort. Sowohl kleine und mittlere Unternehmen als auch große Leitbetriebe würden von den geplanten Entlastungen profitieren, wie etwa der Ausweitung des Gewinnfreibetrages, der leichteren Absetzbarkeit von Arbeitszimmern oder der Körperschaftsteuer-Senkung auf 21 Prozent.

Die Junge Industrie erkennt in dem Regierungsprogramm den Willen zu Veränderungen und Reformen, es enthalte "einige gute Ansätze, natürlich wird es aber auf die Umsetzung ankommen", sagte der Bundesvorsitzende Andreas Wimmer.

Landwirtschaftskammer-Präsident Josef Moosbrugger freut sich besonders darüber, dass Elisabeth Köstinger (ÖVP) wieder Landwirtschaftsministerin wird. Im Regierungsprogramm sieht er "ein klares Bekenntnis für eine stabile Finanzierung der EU-Agrarpolitik sowohl in der Übergangszeit als auch in der kommenden Periode". Konkret hofft die Landwirtschaftskammer, künftig mehr fossile Energie durch erneuerbare Rohstoffe zu ersetzen und begrüßt auch die verpflichtende Herkunftsbezeichnung bei Milch, Fleisch und Eiern bei verarbeiteten Produkten und im Bereich der Gemeinschaftsverpflegung. Der Branchenverband Bio Austria begrüßt, dass "der kontinuierliche Ausbau der Bio-Landwirtschaft im GAP-Strategieplan, und damit in der nationalen Umsetzung der kommenden Gemeinsamen Agrarpolitik der EU für die Periode bis 2027, verankert werden" soll.

Der Handelsverband "begrüßt die Ambition, die Steuerlast zu senken und eine Abgabenquote von 40 Prozent zu erreichen". Das stützte sowohl das heimische Unternehmertum, das die staatlichen Systeme finanziere, als auch den Konsum. Wichtig sei nun eine rasche Umsetzung der Vorhaben, sagte der Geschäftsführer des Handelsverbandes, Rainer Will.

Lob kommt auch von der Tourismusbranche. Als besonders positiv sieht die Präsidentin der Österreichischen Hoteliervereinigung (ÖHV), Michaela Reitterer, die geplante "Reparatur" der Abschreibungsdauer: "Das ist ein ganz zentraler Punkt. So geben wir den Betrieben wieder die Freiheit für Investitionen zurück und schaffen Wertschöpfung vor Ort." Wichtig sei auch die Erleichterung von Betriebsübergaben in der Familie.

Auch bei der Sektkellerei Schlumberger lässt man angesichts der angekündigten Abschaffung der Schaumweinsteuer die Korken knallen: "Die Steuerersparnis von 90 Cent je Flasche soll eins zu eins an die Kunden weitergegeben werden", kündigte Geschäftsführer Benedikt Zacherl an.

Zufrieden sind auch die Alternativenergie-Anbieter. Das Regierungsprogramm biete einige Chancen für den Umweltschutz und für die Windkraft, sagte etwa Stefan Moidl, Geschäftsführer der IG Windkraft. "Es ist mit großem Abstand das ambitionierteste Klimaschutzprogramm, das Österreich bisher hatte." Auch der Präsident des Dachverbandes Erneuerbare Energie Österreich (EEÖ) Peter Püspök, sieht im Regierungsprogramm "Gestaltungswillen beim Klimaschutz".

Nicht in die Jubelklänge einstimmen wollte Peter Kolba, Obmann des privaten Verbraucherschutzverein (VSV) und vormaliger Chefjurist des Vereins für Konsumenteninformation (VKI). "Das Kapitel 'Konsumentenschutz' im Regierungsprogramm von Schwarz-Grün ist weitgehend ambitionslos", meinte Kolba laut Mitteilung. "Kurz vertritt die Wirtschaft und hat alles entschärft, wofür Anschober kämpfen könnte."

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