KURIER/Deutsch

Der Wohlstand der ÖsterreicherInnen wächst auf Kosten der Umwelt

Die Lebensqualität ist hoch, den ÖsterreicherInnen geht es gut. Zu diesem Ergebnis kommt eine Erhebung der Statistik Austria mit dem Titel "Wie geht's Österreich?".

Die Lebenszufriedenheit ist gestiegen, auch die wirtschaftliche Entwicklung kann sich mit wachsendem BIP und niedriger Arbeitslosigkeit sehen lassen. Einziger Kritikpunkt: Der materielle Wohlstand geht zulasten der Umwelt.

"Die Frage 'Wie geht's Österreich?' wird normalerweise mit dem Verweis auf das Wirtschaftswachstum beantwortet", sagte Konrad Pesendorfer, Generaldirektor der Statistik Austria,  bei der Präsentation der Studie. Es brauche aber "zusätzliche Indikatoren" zur Beantwortung dieser Frage. Deshalb verwendet die Statistik Austria für ihre zum wiederholten Mal durchgeführte Datensammlung ein "Indikatorenset" aus 30 Schlüsselindikatoren und dem BIP. "Die drei Säulen bilden materieller Wohlstand, Lebensqualität und der Umweltbereich", erklärte Pesendorfer.

Im Bereich Wohlstand geht es Österreich sehr gut. Das Bruttoinlandsprodukt, das Einkommen und der private Konsum sind 2018 gestiegen, die Arbeitslosenquote ging deutlich zurück. "Wir haben noch nie eine so hohe Erwerbstätigkeitsquote gehabt wie im Jahr 2018", sprach Pesendorfer von einer "sehr positiven Entwicklung" auf dem Arbeitsmarkt. Österreichs BIP liegt im EU-Vergleich an vierter Stelle.

"Die gute Bewertung beim Wohlstand bezahlen wir aber mit einer kritischen Bewertung im Bereich Umwelt", so der Experte. Die Indikatoren im Bereich Umwelt wurden in der Datenerhebung der Statistik Austria überwiegend negativ beurteilt. Kritisch betrachtet werden hier vor allem der hohe Ressourcen- und Energieverbrauch und die erneut ansteigenden Treibhausgasemissionen, unter anderem durch den Verkehr. "Die Emissionen des Verkehrs sind stärker gestiegen als die Emissionen insgesamt", sprach Alexandra Wegscheider-Pichler, Projektleiterin der Studie , ein weiteres Problem an.

Bio-Flächen in Österreich verdoppelt

Trotz aller Kritik gab es aber auch bei der Umwelt etwas Gutes zu vermelden: Der Indikator zum Anteil der Bio-Flächen in Österreich wurde als sehr positiv bewertet. "Die Bio-Fläche ist der positivste Indikator im ganzen Set", berichtete Wegscheider-Pichler. Seit 2000 hat sich der Anteil der biologisch bewirtschafteten Fläche bis 2018 mit 23,2 Prozent fast verdoppelt. "Da erreicht uns auch kein anderes EU-Land", stellte die Expertin fest.

Die allgemeine Lebenszufriedenheit ist in Österreich ebenfalls auf einem sehr hohen Niveau. 39,7 Prozent bewerten ihre subjektive Lebenszufriedenheit auf einer Skala von 0 bis 10 mit 9 oder 10. Zum Vergleich: In der EU sind es nur 21,6 Prozent. Eine aktuelle Eurostat-Umfrage, die veröffentlicht wurde, bestätigt diese Ergebnisse. EU-weit waren die EinwohnerInnen von Finnland im Jahr 2018 mit ihrem Leben am zufriedensten (Mittelwert 8,1), dicht gefolgt von den Menschen in Österreich (8,0). "Im Bereich Lebensqualität hat Österreich immer schon sehr gute Bewertungen bekommen", so Wegscheider-Pichler. "Das war auch heuer so."

Subjektives Unsicherheitsempfinden

Eine Dimension der Lebensqualität ist auch das subjektive physische Unsicherheitsempfinden. Nur 9,7 Prozent der Bevölkerung gaben laut den Daten der Statistik Austria Probleme durch Gewalt oder Vandalismus in der Wohngegend an. Seit 2014 ist der Wert stets gefallen.

Weniger erfreuliche Ergebnisse brachte das Sonderkapitel "Sicherheit" im heurigen Bericht. Das Ergebnis: Rund drei Viertel der Betroffenen machen bei Gewalterfahrungen keine Anzeige. "Was wir in der Kriminalstatistik sehen ist nur die Spitze des Eisbergs", warnte Pesendorfer. Weiters zeigte die Befragung, dass Gewalt gegen Männer deutlich sichtbarer ist und häufiger zur Anzeige gebracht wird. Männer sind eher im öffentlichen Raum von Gewalt betroffen, zwei Drittel der Gewalterfahrungen in privaten Wohnräumen hingegen betreffen Frauen.

Konkrete Empfehlungen an die Politik wollten die ExpertInnen nach der Präsentation ihres Berichts nicht abgeben. "Unser Ziel ist es, problematische Entwicklungen aufzuzeigen", sagte Pesendorfer. Er sieht seine Aufgabe eher darin, die Daten- und Faktenlage aufzuzeigen. Handlungsbedarf orten die ExpertInnen der Statistik Austria dennoch. "Im materiellen Wohlstand und bei der Lebensqualität zeigen die Zeiger nach oben", fasste der Generaldirektor zusammen. "Hier sind keine unmittelbaren Problembereiche zu sehen - im Umweltbereich hingegen schon." Als Problemkinder nannte er konkret "die Emissionen, den Energieverbrauch und den Verbrauch von Grünflächen in Österreich".

Bei diesen Punkten reiche es auch nicht aus, "nur einen Indikator zu betrachten", sagte er. Hier müsse man "in die Tiefe gehen", um die richtigen Maßnahmen zu setzen. "Aber das ist etwas, womit sich die Politik sicher beschäftigen sollte", forderte Pesendorfer.

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